- Aus dem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 06.03.2009 i. d. F. vom 11.10.2018
"Die gelebte Demokratie muss ein grundlegendes Qualitätsmerkmal unserer Schulen sein. Aus diesen Zusammenhängen ergibt sich eine demokratische Schul- und Unterrichtsentwicklung als Querschnittsaufgabe." - Lehrplan Saarland: Wirtschafts- und Sozialkunde (Berufsschule)
"Die Schülerinnen und Schüler erkennen die Bedeutung der Grundrechte und der Verfassungsgrundsätze für das Zusammenleben in Deutschland. Sie erfassen ihre Möglichkeiten der Teilhabe und Interessenvertretung und orientieren sich dabei an demokratischen Grundwerten unserer Gesellschaft. Sie beschreiben Gefährdungen für die Demokratie durch Extremismus. (…)" - Niedersachsen: Erlass "Stärkung der Demokratiebildung an öffentlichen allgemein bildenden und berufsbildenden Schulen sowie Schulen in freier Trägerschaft"
"Die Schule ist ein Lebens- und Lernort unserer Demokratie. Sie soll als ein demokratischer Erfahrungsraum ausgestaltet werden. Demokratiebildung ist daher in jeder öffentlichen Schule von Anfang an zu stärken und qualitativ und kontinuierlich weiterzuentwickeln. Ausgangs- und Bezugspunkt der Demokratiebildung ist der Bildungsauftrag nach §2 Niedersächsisches Schulgesetz sowie für die öffentlichen allgemein bildenden Schulen der Orientierungsrahmen Schulqualität in Niedersachsen und für die berufsbildenden Schulen das Kernaufgabenmodell (KAM-BBS)."
Doch trotz der Verankerung von Demokratiebildung in verschiedenen Unterrichtsfächern, kann die berufliche Bildung dieses Thema nicht dem schulischen Teil überlassen. Zu wertvoll können Lerngelegenheiten sein, die nur der Arbeitsplatz ermöglicht. Hinzu kommt, dass auch der Lernort Berufsschule das vorhandene Potenzial offenbar nicht vollständig ausschöpft. So bemängelt der 16. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung, dass politische Bildung hier "zu sehr im Schatten der beruflichen Ausbildungsfächer" steht.
Ausbildungsbetrieb
Am Lernort Betrieb basieren Maßnahmen zur Demokratieförderung stark auf Freiwilligkeit. Politische Themen sind nicht expliziter Bestandteil der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) und Ausbilder/-innen werden nicht systematisch auf den politisch bildnerischen Teil ihrer Aufgabe vorbereitet.
Dr. Tietze: "Im betrieblichen Bereich lassen sich demokratiefördernde oder demokratiebildende Maßnahmen lediglich aus den vorgeschriebenen Ausbildungszielen und Ausbildungsverordnungen ableiten. Gesetzlich verankert ist nur die Bildung und das Wirken der Jugend- und Auszubildendenvertretung, die eine demokratische Mitbestimmung ermöglicht."
Vor diesem Hintergrund darf man der Demokratiebildung im Ausbildungsbetrieb wohl vergleichsweise schwierige Startbedingungen attestieren. Von den Unternehmen ist viel Eigeninitiative gefragt, die wiederum zu den gegebenen Rahmenbedingungen passen muss.
"Die Möglichkeiten hängen von den Rahmenbedingungen vor Ort ab. Große Ausbildungsbetriebe verfügen über ein Berufsbildungspersonal, das ausschließlich zu Ausbildungszwecken beschäftigt ist. Solche Betriebe können auch zeitliche und finanzielle Räume schaffen, um demokratiefördernde oder demokratiebildende Projekte zu starten. Kleine Betriebe haben diese Möglichkeiten nicht," so Dr. Tietze.
Nichtsdestotrotz bergen die informellen und non-formalen Lerngelegenheiten am Lernort Betrieb großes Potenzial für Demokratie-Inhalte. Hier wird nämlich eine Gruppe vorwiegend junger Menschen erreicht, die nicht nur ausgesprochen groß ist (ca. 1,2 Millionen Auszubildende, ca. 2,3 Millionen Schüler/-innen an beruflichen Schulen), sondern auch von Heterogenität geprägt ist – auch und vor allem beim Thema Weltanschauung: "Neben Jugendlichen mit Fluchterfahrungen sitzen in den beruflichen Schulen Jugendliche mit einer ausgeprägten migrationskritischen, wenn nicht sogar völkisch-nationalistischen Haltung. Neben jungen Menschen, die ihre Berufsausbildung nach militärischen Dienstzeiten und damit möglicherweise Auslandseinsätzen in Krisengebieten begonnen haben, sitzen Menschen, die aus diesen Krisengebieten nach Deutschland gekommen sind," hebt der 16. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung hervor und schlussfolgert: "Das können Ausgangspunkte für politische Bildung und demokratische Konfliktbearbeitung sein."
Hinzu kommt, dass in der Übergangsphase von der Schule in den Beruf in jeder Biografie ein wichtiger Schritt gegangen wird in Sachen gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Teilhabe. Politische Bildung kann an diesem Punkt besonders wichtig sein - insbesondere dann, wenn die Adressaten bisher kaum politisch interessiert sind.