
Leando: In nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen ist der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit zu vernehmen. Womit muss sich die berufliche Bildung bei diesem Thema auseinandersetzen? Geht es um zusätzliche Inhalte und Fertigkeiten, die vermittelt werden müssen?
Ansmann: Nein, nachhaltig handelt man ja nicht dann, wenn man einfach mehr tut, sondern wenn man in der Lage ist, die Perspektive zu ändern und daraufhin anders, nämlich umsichtiger, zu agieren. Insofern geht es auch in der Ausbildung eher darum, die schon bestehenden Inhalte durch die "Nachhaltigkeitsbrille" zu betrachten. Welche Folgen hat mein berufliches Handeln auf die Ressourcenbilanz, den Schutz der Umwelt, die Gesundheit von Menschen? Sind die Lieferketten meines Betriebs nicht nur effizient, sondern auch fair? Diese Fragen müssen in der Ausbildung diskutiert werden und die Antworten variieren je nach beruflichem und betrieblichem Kontext. Dafür sind lebendige Lehrmethoden erforderlich, die Nachhaltigkeit konkret erlebbar machen und nicht nur träges Wissen vermitteln. Es geht darum, praktische Handlungskompetenzen zu fördern und Fachkräfte damit ins Tun zu bringen.
"Nachhaltigkeit ist nicht nur eine Herausforderung, sondern in erster Linie eine Chance, Arbeitsprozesse zu innovieren, neue Märkte zu erschließen und Fachkräfte für sich zu gewinnen"



