Seelisches Befinden
- Depressive Stimmungen
- Negative Selbsteinschätzung, Jammern, Misserfolgserwartungen (selbsterfüllende Prophezeiungen)
- Zweifeln, auch an positiven Erwartungsäußerungen von Bezugspersonen
- Unsicherheit
17. Januar 2025

Prüfungssituationen sind für viele Menschen eine Herausforderung. Während einige mit solchen Leistungssituationen gut zurechtkommen, löst bei anderen schon der Gedanke an die Prüfung Panikattacken aus. Prüfungsangst gehört zu den sozialen Bewertungsängsten: Im Vordergrund stehen oft die Angst vor der Bewertung der persönlichen Fähigkeiten und Kenntnisse und/oder davor, zu „versagen". Prüfungsangst kann den erfolgreichen Abschluss einer Prüfung ernsthaft gefährden.
Prüfungsangst kann sich auf ganz unterschiedliche Bereiche der Prüfung beziehen:
Bei vielen verändert sich bereits im Vorfeld der Prüfung durch die Angst das gewohnte Arbeits- und Lernverhalten nachhaltig – sie fühlen sich etwa vom Lernstoff überfordert, lernen rund um die Uhr oder schieben im Gegenteil das Thema vor sich her. Viele Prüflinge berichten von einem sogenannten „Blackout“ während der Prüfung. Sie machen vor Aufregung unnötige Fehler oder können Aufgaben gar nicht lösen. Selbst vor den Folgen einer bestandenen Prüfung können sich Prüflinge fürchten – zum Beispiel vor gesteigerten Leistungsanforderungen an sie als ausgebildete Fachkraft im Betrieb (Überforderung).
Allein die Ankündigung eines Prüfungstermins kann Anspannung, Unruhe oder Panik auslösen, die teilweise schon Wochen vor der Prüfung auftreten und bis zum Prüfungstag anhalten können.
Eine gewisse Aufregung, Unruhe oder schwitzige Hände angesichts einer Prüfung sind dabei zunächst kein Alarmsignal. Ein bisschen Lampenfieber ist sogar hilfreich und wirkt sich positiv auf Motivation und Leistung aus: Wenn der Körper Stresshormone (Adrenalin/Noradrenalin) ausschüttet, werden die Sinne geschärft und die Leistungsfähigkeit steigt. Dagegen fällt die Leistungskurve stark ab, wenn die Angst ein bestimmtes Niveau überschreitet. 1
Starke Prüfungsangst ist für die Betroffenen ein Problem.
Tritt Prüfungsangst aufgrund einer diagnostizierten Beeinträchtigung wie etwa einer sozialen Phobie oder Angststörung auf, so kann der Prüfling bei der zuständigen Stelle einen individuellen Nachteilsausgleich beantragen. Hierzu muss er im Vorfeld der Prüfung ein fachärztliches Gutachten vorlegen. Die zuständige Stelle entscheidet im Einzelfall über den Nachteilsausgleich. Dieser kann zum Beispiel darin bestehen, dass eine Vertrauensperson bei der Prüfung anwesend ist oder die Prüfung an einem vertrauten Ort wie dem eigenen Arbeitsplatz durchgeführt wird.
Mehr zum Nachteilsausgleich:
Um als Prüfender auf ängstliche Prüflinge eingehen zu können, ist es gut, mögliche Gründe zu kennen. Meist hat die Angst ihren Ursprung in einem ganzen Bündel von Ursachen, die sich oft gegenseitig bedingen und beeinflussen. So etwa:
Wenn der Prüfung eine hohe Bedeutung für den weiteren privaten und beruflichen Lebensweg zugemessen wird, kann dies die Prüfungsangst
zusätzlich verstärken. Weitere Faktoren kommen dann durch die Prüfung selbst hinzu: So etwa können hoher Zeitdruck, der Schwierigkeitsgrad und die Komplexität der Aufgaben, fehlende Vertrautheit mit dem „Prüfungsprozedere“, dem Prüfungsort und dem Prüfungsausschuss
Ängste weiter verstärken.
Wichtig ist, dem Prüfling zu vermitteln, dass es in der Prüfung nicht darum geht, seine Schwächen aufzudecken, sondern seine vorhandenen Fähigkeiten und Kenntnisse zu präsentieren.
Wer sich als Prüfer/-in an eigene Prüfungssituationen erinnern kann, dem fällt es oft leichter, sich in die Prüflinge hineinzuversetzen. Dabei geht es darum, eine gesunde Mischung zwischen der Gleichbehandlung aller Prüflinge und dem Blick auf die individuellen Persönlichkeiten zu wahren. Elemente des Prüfungsprozesses, die Angst auslösen oder verstärken können, sollten identifiziert und möglichst ausgeschaltet oder zumindest abgeschwächt werden. Die folgenden Empfehlungen können vor allem in mündlichen Prüfungen helfen, sind aber auch für praktische und schriftliche Prüfungen hilfreich: