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19 Ausbildungsberufe der Bauwirtschaft neu geordnet

20. Februar 2026

Zum 1. August 2026 treten 19 modernisierte Ausbildungsordnungen für die Bauwirtschaft in Kraft – darunter 16 dreijährige und drei zweijährige Ausbildungen. Die umfangreichen Neuordnungen tragen den gewandelten Anforderungen an Klimaschutz, Umwelt- und Verbraucherschutz sowie dem technischen Wandel Rechnung. Die neuen Ausbildungsordnungen hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Auftrag der Bundesregierung gemeinsam mit den zuständigen Bundesministerien, den Sozialpartnern und Sachverständigen aus der betrieblichen Praxis erarbeitet.

Zwei Kollegen mit Schutzhelmen und -westen stehen auf einer Baustelle, im Hintergrund steht ein weiterer Mann.

Schwerpunkte der modernisierten Ausbildungsinhalte liegen auf dem Bauen im Bestand, auf Energieeffizienz-Maßnahmen sowie auf materialoffenen Formulierungen, die den Einsatz nachhaltiger Baustoffe fördern. Strukturell hervorzuheben ist die Einführung der gestreckten Gesellen- bzw. Abschlussprüfung. Sie ermöglicht eine enge Verzahnung zwischen den zweijährigen und dreijährigen Ausbildungsberufen und verbessert so die Durchlässigkeit zwischen den Berufen.

Die Ausbildungsberufe der Bauwirtschaft gliedern sich in die drei Bereiche Ausbau, Hochbau und Tiefbau:

  • Ausbauberufe sind vor allem im Innenausbau, beim Dachdeckerhandwerk sowie im Fassadenbau tätig. Sie leisten einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz und zur energetischen Sanierung und Modernisierung von Gebäuden.
  • Hochbauberufe errichten komplette Gebäude und Bauwerke – von den Fundamenten über Wände bis hin zu Decken und Dachstühlen. Neben dem klassischen Neubau gewinnt das Bauen im Bestand (Sanierung, Umbau, Modernisierung) immer größere Bedeutung. Beim Rückbau von Gebäuden stehen vor allem Umwelt- und Ressourcenschutz im Vordergrund.
  • Tiefbauberufe schaffen und erhalten die Infrastruktur unseres Alltags – von Straßen, Schienenwegen und Versorgungsleitungen bis hin zu Anlagen für Trinkwassergewinnung und Geothermie. Sie sorgen dafür, dass Mobilität, Versorgungssicherheit und nachhaltige Energienutzung funktionieren.

Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Digitalisierung

Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Digitalisierung wurden bei der Neuordnung konsequent integriert. Das frühere Thema Wärmedämmung wurde deutlich ausgeweitet zu umfassenden Energieeffizienzmaßnahmen. Erstmals ist das Bauen im Bestand nun durchgängig als fester Ausbildungsinhalt über alle drei Ausbildungsjahre verankert. Nachhaltigkeitsaspekte ziehen sich zudem quer durch alle relevanten Bereiche: von der Planung über die Baustelleneinrichtung, die Materialauswahl und den Maschineneinsatz bis hin zur Qualitätssicherung.

Die fortschreitende Digitalisierung – vor allem durch Building Information Modelling (BIM) – verändert Arbeits- und Geschäftsprozesse in der Bauwirtschaft grundlegend. Daraus ergeben sich neue Kompetenzanforderungen, insbesondere beim Umgang mit digitalen Plänen, beim digitalen Messen, bei der Qualitätskontrolle und bei der Dokumentation.

Überbetriebliche Ausbildung

Um eine breite und zugleich technologisch anspruchsvolle Ausbildung zu gewährleisten, bleibt die überbetriebliche Ausbildung in spezialisierten Bildungszentren ein unverzichtbarer Baustein. Mit mindestens 30 Wochen unterstützt sie Auszubildende und Betriebe gezielt dabei, die notwendigen beruflichen Handlungskompetenzen in immer komplexeren Berufsfeldern aufzubauen.

Neue Prüfungsstruktur und Anrechnungsmodell

In jedem der drei Bereiche (Hochbau, Tiefbau, Ausbau) gibt es eine zweijährige Facharbeiterqualifikation sowie mehrere dreijährige Ausbildungsberufe. Für die dreijährigen Berufe wird die gestreckte Abschluss- bzw. Gesellenprüfung eingeführt: Teil 1 findet bereits am Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt und entspricht der Abschlussprüfung des jeweiligen zweijährigen Berufs. Teil 2 schließt die Ausbildung am Ende des dritten Jahres ab und prüft die berufsspezifischen Inhalte. Dieses System ermöglicht ein flexibles Anrechnungsmodell: Wer die Abschlussprüfung in einem zweijährigen Beruf besteht, kann nahtlos ins dritte Ausbildungsjahr eines passenden dreijährigen Berufs wechseln.

Umsetzung und Maßnahmen

Die modernisierten Ausbildungsordnungen sowie die darauf abgestimmten Rahmenlehrpläne der Kultusministerkonferenz (KMK) für den schulischen Teil der dualen Ausbildung ersetzen die bisherigen Regelungen aus dem Jahr 1999.

Zur erfolgreichen Umsetzung plant das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) umfangreiche Unterstützungsangebote: In 16 praxisnahen Umsetzungshilfen der Reihe „Ausbildung gestalten“ werden Strukturen und Inhalte detailliert erläutert. Ergänzend werden die wichtigsten Themen im BIBB-Portal „Leando“ speziell für Ausbilderinnen, Ausbilder und Prüfungspersonal aufbereitet und zugänglich gemacht.

Weitere Informationen

Pressemitteilung des BIBB vom 19.02.2026

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