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Um die eigene Führungskompetenz im Rahmen der Ausbildung zu stärken, sollte Ausbildungspersonal wissen, welchen Stellenwert soziale Kompetenzen und Kommunikationsstärke haben und wie sich diese Kompetenzen in verschiedenen Führungsstilen verwirklichen lassen. Tiefere Kenntnisse über die verschiedenen Ebenen der Kommunikation spielen hier ebenfalls eine wichtige Rolle.
Um die Rolle einer Führungsperson im Kontext der Ausbildung bestmöglich erfüllen zu können, gilt es, sich zu überlegen, was eigentlich "gute Führung" ausmacht. Hierbei können die folgenden Fragen helfen:
Wenn Sie selbst schon einmal gute Führung erlebt haben, können Sie sich überlegen, was genau diese Person zu einer guten Führungskraft gemacht hat. Dabei werden Ihnen vermutlich verschiedene fachliche und soziale Kompetenzen einfallen, die Sie als besonders relevant bewerten.
Nicht selten sind dabei auch Aspekte, die sich auf das Zwischenmenschliche beziehen, bedeutsam. Im Gegensatz dazu wird die Rolle des Ausbildungspersonals oft sehr fachspezifisch definiert. So heißt es im Berufsbildungsgesetz § 14 Absatz 1: "Ausbildende haben dafür zu sorgen, dass den Auszubildenden die berufliche Handlungsfähigkeit vermittelt wird, die zum Erreichen des Ausbildungsziels erforderlich ist, und die Berufsausbildung in einer durch ihren Zweck gebotenen Form planmäßig, zeitlich und sachlich gegliedert so durchzuführen, dass das Ausbildungsziel in der vorgesehenen Ausbildungszeit erreicht werden kann".
Hinsichtlich einer Vorbildfunktion und Führungsaufgabe heißt es in Absatz 5: "Ausbildende haben dafür zu sorgen, dass Auszubildende charakterlich gefördert (...) werden".
Soziale Kompetenzen spielen eine wesentliche Rolle für die Führung, was sich in der Vielzahl an Führungstheorien spiegelt, die beschreiben, wie sich Führungspersonen im Umgang mit Ihren Mitarbeitenden verhalten können. Um einen Überblick darüber zu bekommen, welche Arten von Führung überhaupt möglich sind, können die Führungsstile von dem Psychologen Daniel Goleman helfen. Er identifizierte die folgenden sechs Führungsstile1:
Nun können Sie sich fragen: In welchen Führungsstilen liegen meine Stärken?
Es ist wichtig zu beachten, dass es nicht den einen "guten" Führungsstil gibt, sondern für bestimmte Situationen einer oder mehrere der oben genannten Führungsstile zu wünschenswerteren Ergebnissen führen können. Die Eignung der verschiedenen Stile hängt also von der Situation und den Eigenschaften sowie Bedürfnissen Ihrer Auszubildenden ab. Es ist also sinnvoll, den Charakter der jeweiligen Auszubildenden einzuschätzen, um sich für den zielführendsten Führungsstil zu entscheiden. Ob man einen bestimmten Führungsstil anwendet, hängt aber auch stark von der eigenen Persönlichkeit ab. Meist gibt es bestimmte Stile, mit denen man sich besonders wohl fühlt und dementsprechend auch andere, in denen man sich selbst noch weiterentwickeln könnte.
Überlegen Sie sich, mit welchem Führungsstil Sie sich am wohlsten fühlen, warum das so sein könnte und in welchen Stilen Sie noch Entwicklungspotenzial besitzen.
Um in Ihrer Position als Führungsperson glaubwürdig zu sein, kann es helfen, sich Ihrer Stärken bewusst zu werden, um selbstsicherer auftreten zu können. Aber auch das Wissen über die eigenen Defizite ist wichtig, denn nur durch das Bewusstsein für die eigenen Schwächen kann man auch an ihnen arbeiten. Trauen Sie sich, auch einmal einen Führungsstil auszuprobieren, der außerhalb Ihrer Komfortzone liegt, denn Übung macht den Meister! Dies wollen Sie schließlich auch Ihren Auszubildenden vermitteln. Um sich in Bezug auf die eigene Führung weiterzuentwickeln, können Trainings und Fachliteratur zur Führungskräfteentwicklung helfen. Hierfür gibt es viele private Anbieter, aber auch die zuständigen Kammern bieten immer wieder Seminarangebote zu diesem Themengebiet an.
Zu den sozialen Kompetenzen zählen besonders auch die kommunikativen Fähigkeiten, die eine Führungskraft in ihrem Alltag anwenden muss. Hierbei ist es sinnvoll, Kenntnis über verschiedene Ebenen von Kommunikation zu haben, denn was wir ausdrücken wollen, ist nicht immer das, was eine andere Person auch wahrnimmt. Doch warum ist das so?
Der Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun hat dazu ein Kommunikationsquadrat entwickelt, welches vier verschiedene Ebenen einer Aussage bzw. "Botschaft" betrachtet2:

Wie in dem Beispiel beschrieben, kann es passieren, dass die / der Auszubildende vor allem mit dem "Beziehungsohr" zuhört, sich also vor allem auf die eigene Beziehung zur Gesprächspartnerin / zum Gesprächspartner konzentriert, wohingegen Sie als Ausbilder/-in womöglich vor allem auf der Sachebene kommunizieren. Deswegen ist es wichtig zu wissen, dass die Ebene, die man eigentlich ansprechen will, nicht die Ebene sein muss, die auch von der Gesprächspartnerin / dem Gesprächspartner wahrgenommen wird.
Auch die verschiedenen Führungsstile von Coleman haben verschiedene Ebenen, die unterschiedlich verstanden werden und daher auch Konfliktpotenzial mit sich bringen können:
| Führungsstil | Haupt-Kommunikations- Ebene und Konfliktpotenzial | Beispiel für Missverständnisse |
| Befehlend | Sachebene & Appell: Wenn dieser Stil auf der Beziehungsebene wahrgenommen wird, kann es schnell zu Konflikten kommen. | Nachricht: "Räum schnell deinen Tisch auf, gleich kommt ein wichtiger Kunde." Mögliche Wahrnehmung: "Der hält mich wohl für unordentlich!" |
| Gefühls- orientiert | Beziehungsebene & Selbstoffenbarung: Wird dieser Stil bspw. als Appell wahrgenommen, kann es zu Missverständnissen kommen. | Nachricht: "Ich habe bemerkt, dass du in letzter Zeit traurig zu sein scheinst." Mögliche Wahrnehmung: "Sei nicht so traurig, du ziehst ja das ganze Team runter!" |
| Beratend | Sachebene & Beziehungsebene: Falls der Stil als Appell verstanden wird, kann er bspw. überfordern. | Nachricht: "Lass uns doch mal zusammen schauen, welche Zusatzqualifikationen dich interessieren könnten." Mögliche Wahrnehmung: "Du solltest eine Zusatzqualifikation wahrnehmen!" |
| Visionär | Selbstoffenbarung & Appell: Wird dieser Stil auf der Sachebene wahrgenommen, geht wahrscheinlich seine motivationssteigernde Wirkung verloren. | Nachricht: "Für die Umwelt und das Unternehmen ist es wichtig, dass wir daran denken, abends das Licht und die Geräte auszuschalten!" Mögliche Wahrnehmung: "Das Licht und die Geräte sollen ausgeschaltet werden." |
| Leistungs- orientiert | Sachebene & Appell: Wenn dieser Stil auf der Selbstoffenbarungsebene wahrgenommen wird, kann es bspw. dazu kommen, dass die Leistungsorientierung überschätzt wird. | Nachricht: "Wir sind ein Hochleistungsteam und daran wollen wir festhalten." Mögliche Wahrnehmung: "Der Betrieb interessiert sich doch nur für Leistung, sonst nichts." |
| Demokratisch | Beziehungsebene & Sachebene: Falls dieser Stil als Appell wahrgenommen wird, kann er das Team unter Druck setzen und zu noch mehr Spannungen führen, anstatt diese zu lösen. | Nachricht: "Setzt euch einmal zusammen und trefft gemeinsam eine Entscheidung." Mögliche Wahrnehmung: "Ihr müsst schnell eine Entscheidung treffen!" |
Es wird deutlich, dass es auch im Arbeitsalltag wichtig ist, darauf zu achten, dass das Gesagte auf der richtigen Ebene ankommt bzw. verstanden wird. Falls sich zwei Gesprächspartner/-innen auf unterschiedlichen Ebenen verstehen, kann es immer zu Konflikten kommen. Es ist daher wichtig, Ihre Auszubildenden besser kennenzulernen, da unterschiedliche Menschen unterschiedliche Neigungen haben, Botschaften auf den jeweiligen Ebenen der Kommunikation zu hören. Wenn Ihre Auszubildenden also nicht das hören, was Sie eigentlich sagen wollen, könnten Sie auch Ihren Führungs- und Kommunikationsstil überdenken und gegebenenfalls variieren.
Als Ausbilder/-in brauchen Sie nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern benötigen auch Führungskompetenzen, um den Umgang mit Ihren Auszubildenden zu meistern. Die sechs Führungsstile von Coleman (befehlend, gefühlsorientiert, beratend, visionär, leistungsorientiert und demokratisch) können Sie dabei unterstützen, einen an die Bedürfnisse der Auszubildenden und die Situation angepasste Führungsstil zu wählen. Wichtig hierbei sind auch die Kenntnisse über die vier Seiten einer Nachricht (Sachebene, Beziehungsebene, Appell und Selbstoffenbarung), um effektiv im Arbeitsalltag zu kommunizieren und Auszubildende zielgerichtet zu führen.