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09. Juni 2026

Um eine Berufsausbildung inklusiv anzubieten und zu gestalten, nehmen Ausbildungsbetriebe zunächst einen erhöhten Aufwand in Bezug auf die Organisation und Betreuung während der Ausbildung in Kauf. Dennoch gibt es eine Vielzahl von Gründen, die für eine inklusive Berufsausbildung sprechen:
Nesrin B. ist behindert, sie hat eine angeborene Gelenkkrankheit. Lange bewarb sie sich erfolglos und verschickte viele Bewerbungen, bis sie endlich eine Ausbildungsstelle fand. Im Vorstellungsgespräch in einer Kanzlei in Duisburg konnte sie überzeugen. In einem Videoclip von Aktion Mensch erzählt sie von ihren Erfahrungen und auch die Kanzlei begründet die Entscheidung für die Zusage.
Die Initiative discovering hands bildet in der Brustkrebsfrüherkennung blinde bzw. sehbehinderte Frauen zu Medizinisch-Taktilen Untersucherinnen (MTUs) aus, weil diese Gruppe über besonders sensible Tastfähigkeiten verfügt. Wissenschaftliche Untersuchungen können belegen, dass die MTUs ca. 30 % mehr Veränderungen im Gewebe erkennen als Ärztinnen und Ärzte. So wird eine Lücke in der Vorsorge geschlossen und die Frauen mit Sehbehinderungen besetzen ein sinnvolles und wichtiges Betätigungsfeld. Die schon mehrfach preisgekrönte Initiative engagiert sich so in der Prävention von Brustkrebs und im Einsatz für Inklusion.
Im Tourismusgewerbe können Hotels und Pensionen gezielt damit punkten, wenn sie Menschen mit Behinderung ausbilden und beschäftigen. Sie zeigen damit gesellschaftliches Engagement und werden auch attraktiv für Reisende, die selbst eine Behinderung haben. Wenn im Arbeitsalltag, z.B. bei der Versorgung am Frühstückbuffet des Hotels, Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter mit Behinderung ganz selbstverständlich tätig sind, dann werden sich auch Familien, die ein Familienmitglied mit Behinderung haben, schnell wohl fühlen.
Ein Beispiel ist das Stadthaushotel in Hamburg Altona. Es ist aus einer Initiative von Eltern behinderter Kinder entstanden und eröffnete 1993 als erstes Integrationshotel in Europa, das heute vor allem Geschäftskundinnen und -kunden beherbergt. In dem Hotel sind Menschen mit geistiger, körperlicher und psychischer Behinderung beschäftigt.
Neue Kundinnen und Kunden gewinnen
Mitarbeitende mit Behinderung können neue Kundengruppen oder Geschäftsverbindungen nach sich ziehen. So kann z. B. durch gehörlose Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter explizit die Kundengruppe der Gehörlosen erschlossen werden.
Nicht zu vergessen: Für Betriebe, die inklusiv ausbilden, entfällt die Ausgleichsabgabe. Sie muss gezahlt werden, wenn ein Betrieb mit mindestens 20 Arbeitsplätzen die vorgeschriebene Zahl von fünf Prozent an schwerbehinderten Menschen nicht beschäftigt. Die rechtlichen Regelungen finden sich im SGB IX, § 160 Ausgleichsabgabe.
Die Inhalte des Themenschwerpunkts "Inklusion in der dualen Berufsausbildung" wurden von ibbw-consult gGmbH, Institut für berufsbezogene Beratung und Weiterbildung (Göttingen) im Auftrag des BIBB erstellt. Beteiligt waren: Ines Heidsieck, Dorte Heyer, Mareike Rathgeber sowie Wolfgang Muhs (redaktionelle Leitung).