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CourtNAi: Wenn Kommunikation zur Trainingssituation wird
CourtNAi ist eine KI-gestützte VR-Plattform für die Aus- und Fortbildung in der Justiz. In der Anwendung können Gerichtsverhandlungen und Zeugenvernehmungen virtuell trainiert werden.
Nutzerinnen übernehmen zum Beispiel die Rolle einer Richterin oder eines Richters, sitzen in einem virtuellen Gerichtssaal und interagieren mit KI-gesteuerten Verfahrensbeteiligten. Das können Zeuginnen, Anwältinnen, Staatsanwältinnen oder andere Rollen sein. Wir schauen auf das Training als Beispiel für innovatives Kommunikationstraining.
XR-Trainings kennen viele zuerst aus Bereichen, in denen Fehler unmittelbar (lebens)-gefährlich werden können: Medizin, Arbeitsschutz, technische Anlagen oder Notfallszenarien. Der Grundgedanke ist dort schnell klar. Menschen können eine Situation üben, bevor sie in der Realität handeln müssen.
Derselbe Gedanke wird zunehmend auf kommunikative Situationen übertragen: auch Gespräche können kritisch sein. Ein falsches Wort gefährdet zwar in der Regel kein Leben. Aber Gesprächsführung, Stress, Rollenverständnis und der Umgang mit unerwarteten Antworten können darüber entscheiden, ob jemand handlungsfähig bleibt.
CourtNAi ist dafür ein gutes Beispiel aus der Justizausbildung. Der virtuelle Gerichtssaal ist dabei nicht der eigentliche Punkt. Der Punkt ist, dass Referendar*innen Situationen üben können, die im Studium meist theoretisch bleiben: eine Verhandlung leiten, Zeug*innen befragen, mit schwierigen Beteiligten umgehen und nach dem Durchlauf Feedback bekommen.
Wenn Kommunikation trainierbar wird
Interessant ist neben der VR-Umgebung also die Frage, was passiert, wenn Kommunikation selbst zur Trainingssituation wird. In vielen Berufen entscheidet nicht allein Fachwissen darüber, ob jemand gut handelt. Entscheidend ist auch, ob eine Person im richtigen Moment die richtige Frage stellt, ein Gespräch gut strukturiert und auf Widerstand reagieren kann.
Solche Situationen sind schwer zu standardisieren. Sie hängen vom Gegenüber ab, vom Gesprächsverlauf, von Zwischentönen und von Stress. Klassische Rollenspiele können das nur bedingt leisten, weil sie aufwendig, kaum wiederholbar und immer künstlich sind. Vorgefertigte Dialogbäume in digitalen Trainings wirken dagegen schnell starr. Hier wird die Verbindung von XR und KI spannend.
Die Qualität des Trainings verändert sich, wenn virtuelle Rollen dynamisch reagieren. Dann müssen Nutzer*innen zuhören, antworten und mit einem Gespräch umgehen, das nicht komplett vorhersehbar ist.
Bei CourtNAi ist genau das ein zentraler Punkt: Die virtuellen Beteiligten spielen nicht einfach Textbausteine ab. Sie reagieren auf Fragen, können unterschiedliche Rollen einnehmen und ermöglichen nach dem Durchlauf Feedback. Für die immersive Gestaltung bedeutet das: Der Trainingsraum besteht nicht nur aus 3D-Modell, Avatar und Benutzeroberfläche. Er entsteht aus dem Zusammenspiel von Raum, Rolle, Sprache, Reaktion und Auswertung.
Über den Gerichtssaal hinaus
Der Gerichtssaal ist vielleicht ein besonderer Ort, aber das Prinzip dahinter ist übertragbar. Überall da, wo Kommunikation geübt werden muss, echte Trainingssituationen aber schwer herzustellen sind, kann der Ansatz von CourtNAi interessant werden.
Das gilt zum Beispiel für Sales-Gespräche, Mitarbeiter*innengespräche, Beratung, Beschwerdemanagement, medizinische Aufklärung oder Behördenkommunikation. Natürlich unterscheiden sich diese Situationen fachlich stark. Aber sie haben etwas gemeinsam: Menschen müssen reagieren, einordnen, nachfragen und Entscheidungen treffen, während das Gegenüber nicht einfach nach Skript funktioniert.
Wenn Trainingsszenarien nicht jedes Mal neu als Rollenspiel organisiert werden müssen, sondern als wiederholbare und anpassbare Simulation zur Verfügung stehen, können mehr Menschen üben. Nicht als Ersatz für echte Erfahrung. Aber als Vorbereitung auf Situationen, in denen man besser nicht zum ersten Mal handlungsfähig sein sollte.
XR rückt näher an die Arbeitsrealität
Für das Ausbildungsumfeld der Gestalter*innen für immersive Medien ist CourtNAi ein gutes Projektbeispiel. Es zeigt, wohin sich XR-Anwendungen entwickeln: näher an reale Arbeitsprozesse und konkrete Anforderungen in Betrieben, Verwaltung und Bildung.
Nicht jede Aufgabe braucht eine VR-Anwendung. Aber dort, wo Praxis schwer zugänglich ist, kann XR sinnvoll eine Lücke schließen.
Durch KI wird diese Entwicklung noch relevanter. Kommunikation, Feedback und Rollenverhalten lassen sich mit Real-Time-KI dynamischer abbilden. Damit rücken immersive Trainings näher an produktive Realität.
Genau deshalb brauchen Betriebe Fachkräfte, die nicht nur 3D-Umgebungen bauen können, sondern verstehen, was eine Anwendung leisten soll.
Weiterführende Informationen
https://www.vdz.org/moderne-digitale-justiz/der-virtuelle-gerichtssaal-als-trainingsraum
https://rsw.beck.de/zeitschriften/rdi/interview/2025/06/12/courtnai--den-avatar-vernehmen