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Der GiM: „Schön, dass es ihn jetzt gibt“
Wir haben mit Korbinian Urban von Spec.Studios über die GiM-Ausbildung gesprochen und warum diese bei Spec. einen Schmerz löst.
Christina Bröker: Starten wir mit meiner Lieblingsfrage: seid ihr Team Blender oder Team Unity?
Korbinian Urban: Wir sind Team Sonderfall, weil wir eine Werbeagentur sind und hauptsächlich mit Cinema 4 D unterwegs sind. Da kommen wir her. Wir freuen uns jetzt aber, dass wir im Kontext der Ausbildung die Möglichkeit haben, Blender näher kennenzulernen. Das ist nach einigen Updates richtig cool geworden.
Michael Stock: Wie seid ihr zum Thema immersive Medien gekommen?
Korbinian Urban: Wir kommen ursprünglich aus dem Automotive-Bereich, wo wir vor allem auf Standbilder und Video-Renderings spezialisiert waren. Diese Formate sind nicht interaktiv oder immersiv, sondern werden berechnet und bleiben statisch.
Unsere ersten Erfahrungen mit VR sammelten wir mit einer frühen VR-Brille, der HTC Vive, die von Steam auf den Markt gebracht wurde. Damals war sie noch an eine leistungsstarke Grafikkarte und eine Gaming-Workstation gebunden. Das waren unsere ersten Experimente in der virtuellen Realität.
Heute hat sich unser Verständnis von Immersion weiterentwickelt. Es geht für uns nicht zwingend um VR, sondern darum, wie wir den Betrachter aktiv in das, was er sieht, einbinden können. Der Fokus liegt auf der Interaktion zwischen dem Inhalt und dem Nutzer. Diese Interaktion kann komplex und kostspielig sein, muss es aber nicht zwingend.
MIT DEM GIM HABEN WIR ENDLICH DIE AUSBILDUNG, DIE PASST.
Christina Bröker: Was hat Euch motiviert den/die Gestalter*in immersive Medien auszubilden und Euch auf das Wagnis eines neuen Ausbildungsberufes einzulassen?
Korbinian Urban: Weil es bei uns einen einen großen Schmerz löst!
Meine eigene Laufbahn begann mit einer Ausbildung zum Mediengestalter für Digital und Print. Ab 2010 habe ich mir den Rest autodidaktisch beigebracht. Das Unternehmen, in dem wir damals arbeiteten, bildete schon immer aus. Ab 2013, als wir gemerkt haben, dass es einen wachsenden Markt und Bedarf gibt, haben wir selbst aktiv begonnen, auszubilden.
Für die Ausbildung haben wir den Mediengestalter für Digital und Print gewählt und kreuzten im Ausbildungsplan alle Module an, die mit 3D zu tun hatten. Unsere Hoffnung war, dadurch die notwendige Schnittstelle zwischen Ausbildung und praktischer Realität zu schaffen. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass Ausbildungsinhalte oft nicht praxisnah genug sind. Die Auszubildenden, die bei uns diese 3 Jahre durchliefen, hatten daher keine leichte Aufgabe, weil sie immer den Spagat schaffen musste zwischen dem, was die Berufsschule vermittelt hat und was im Unternehmen relevant wurde.
Mit dem GiM haben wir endlich die Ausbildung, die passt.
Christina Bröker: Das war u.a. auch unsere Motivation, diesen Ausbildungsberuf mit auf die Straße zu bringen. Wir sehen eine Branche mit einem großen Bedarf an Fachkräften, aber es fehlen nach wie vor formale Ausbildungswege. Der GiM in der dualen Ausbildung soll helfen, genau diese Lücke schließen. Wir freuen uns daher über Unternehmen, die das genauso sehen und in diesem Ansatz die Zukunft erkennen. Vielen Dank dafür!
FRÜHE PROJEKTINTEGRATION MOTIVIERT AZUBIS
Michael Stock: Welche spezifischen Aufgaben übernimmt die Auszubildende im Bereich immersive Medien bei euch?
Korbinian Urban: Wir legen bei uns Wert darauf, dass Auszubildende so früh wie möglich tief in die Projekte eingebunden werden. Das schafft eine Kombination aus intensivem Lerndruck und großartigen Erfolgserlebnissen. Es ist motivierender, an realen und sichtbaren Ergebnissen zu arbeiten, statt nur auf einer Festplatte zu landen.
Ein typischer Ablauf könnte so aussehen: Der Kunde schickt uns CAD-Daten mit der Anfrage, daraus ansprechende Bilder oder Animationen zu erstellen. Die Auszubildenden bereiten die Daten auf, optimieren sie für die Performance, versehen sie mit passenden Texturen und Materialien, und erstellen fotorealistische Renderings.
Der Prozess umfasst zudem Lichtsetzung, Perspektivwahl, Animationen und die Integration von Texten in der Nachbearbeitung, etwa mit After Effects. So durchlaufen die Auszubildenden den gesamten digitalen Produktionsprozess von Anfang bis Ende.
INVESTITION IN DIE ENTWICKLUNG DER AUSZUBILDENDEN ZAHLT SICH AUS
Christina Bröker: Wie gut funktioniert das? Wir hören oft von Unternehmen den Einwand, dass die Betreuung von Auszubildenden im operativen Alltag schwierig sei, weil sie noch wenig Erfahrung haben und viel Unterstützung brauchen.
Korbinian Urban: Aus unserer Sicht funktioniert das direkte Einbinden in konkrete Projekte sehr gut. Es erfordert zwar anfänglich mehr Betreuung, aber die Lernkurve ist steil, und die Auszubildenden können schnell eigenständig produktiv werden. Die Investition in ihre Entwicklung zahlt sich aus – sowohl durch ihre wachsende Kompetenz als auch durch die Motivation, direkt an realen Aufgaben zu arbeiten.
Ein zentraler Spirit bei uns ist: "Ich kann es nicht" gibt es nicht. Stattdessen ermutigen wir dazu, Quellen zu suchen, Fragen zu stellen und gemeinsam Lösungen zu finden. Dabei ist es wichtig, Ansprechpartner zu haben, die Detailfragen qualitativ beantworten können. Denn auch das beste Tutorial lässt oft Fragen offen.
Wenn es nötig ist, suche ich selbst zusammen mit den Auszubildenden nach Antworten. Diese Mentalität ist in unserer Branche essenziell, da kaum ein Job dem anderen gleicht und ständig neue Anforderungen aufkommen. Ohne diese Haltung wird es langfristig schwierig, erfolgreich zu sein.
Christina Bröker: Eine großartige Einstellung: weg von "Lehrjahre sind Herrenjahre" hin zu einem modernen, kooperativen Verständnis von Ausbildung.
Korbinian Urban: Als Ausbilder habe ich meinen Job geschafft, wenn meine Auszubildenden mich überholen.
IMMERSION IST DAS HERZSTÜCK DER ARBEIT
Michael Stock: Welche Rolle spielen immersive Technologien konkret bei euch in der Präsentation und Vermarktung eurer Produkte?
Korbinian Urban: Immersion ist der zentrale Antrieb hinter allem, was wir als Output liefern. Mein Traum ist es, ein emotionales Erlebnis an der digitalen Schnittstelle zu schaffen.
Das kann im einfachsten Fall eine Website sein, auf der ein beeindruckendes Video eingebettet ist – etwas, das in diesem Kontext neu und inspirierend wirkt. Oder interaktive Elemente wie ein Parallax-Effekt, bei dem Bilder sich dynamisch verschieben.
Auf der anderen Seite gehen wir bis hin zu VR-Anwendungen oder Projekten mit Touch Designer, bei denen Nutzer direkt mit einem Screen interagieren können.
Michael Stock: Gibt es ein konkretes Projekt, das eure Auszubildenden bereits erfolgreich abgeschlossen haben?
Korbinian Urban: Unser aktuell spannendstes immersives Projekt ist ein gefördertes VR-Projekt in Zusammenarbeit mit einer österreichischen Künstlerin. Es dreht sich um den Auenwald rund um Hallein und das Hochwassergebiet.
In diesem Kontext rekonstruieren wir Teile der Stadt Hallein. Die Künstlerin erstellt die 3D-Modelle und Assets, die später in der Anwendung genutzt werden. Dieses Projekt ist eines der größten und intensivsten, das wir im Bereich Immersion umsetzen.
ZWISCHEN TECHNIK UND TEAMFÄHIGKEIT: DEN PASSENDEN AUSZUBILDENDEN FINDEN
Christina Bröker: Wie leicht war es für euch, eine geeignete Kandidatin zu finden? Wir stellen fest, dass das Interesse junger Leute an der Ausbildung groß ist.
Korbinian Urban: Grundsätzlich hatten wir zum Glück nie Schwierigkeiten, Auszubildende zu finden. Das liegt daran, dass wir einen hippen Ausbildungsberuf anbieten, sei es Mediengestalter oder Fotograf. Diese Berufe sind einfach attraktiv, und wenn man sich als Unternehmen authentisch und modern präsentiert, kommen die Anfragen oft von selbst.
Die Suche nach der passenden Person ist für mich wie in einem Computerspiel: Man muss die Fähigkeiten ausbalancieren – technische Skills, soziale Kompetenzen und anderes. Wir hatten Bewerber:innen mit beeindruckenden technischen Fähigkeiten, aber oft fehlte es an sozialen Stärken. Am Ende muss jedes Unternehmen für sich abwägen, welche Kombination am besten passt.
Es hilft mir nichts, wenn ich den technischen Überflieger hab, der ständig mit dem Team aneckt. Die größte Herausforderung für uns ist es, die richtige Symbiose zu finden: technische Skills, solide Grundlagen, die Fähigkeit, sich selbst Wissen anzueignen – auch ohne viel Struktur – und zugleich ins Team zu passen.
BREITE THEMENVIELFALT IN DER AUSBILDUNG BLEIBT HERAUSFORDERUNG
Michael Stock: Welche Herausforderung siehst du aktuell in diesem Ausbildungsberuf?
Korbinian Urban: Das größte Problem in der Ausbildung ist die enorme Breite der Themen. Als Beispiel: Es gibt Tools wie Blender, Unity, Cinema 4D, Maya oder 3ds Max – und das sind nur die Content-Creation-Programme. Von Game Engines haben wir da noch gar nicht gesprochen.Diese Vielfalt strukturiert zu vermitteln, ist eine spannende Herausforderung.
Daher finde ich den Ansatz der Berufsschulen, mit Blender zu arbeiten, sehr sinnvoll. Blender ist kostenlos und nimmt Ausbildungsbetrieben die Sorge, direkt hohe Investitionen in Software tätigen zu müssen.
Natürlich gibt es spezialisierte Tools, die man bezahlen muss, aber Open-Source-Lösungen wie Blender sind eine großartige Grundlage. Angesichts der Entwicklungen bei Blender werde ich mich selbst in Zukunft intensiver damit beschäftigen.
AUSBILDEN UM ZU ÜBERNEHMEN
Christina Bröker: Welche Zukunftsaussichten bietet ihr euren Auszubildenden? Können sie nach dem Abschluss direkt bei euch einsteigen – und wollen sie das überhaupt?
Korbinian Urban: Grundsätzlich bilden wir aus, um die Auszubildenden später zu übernehmen. Das ist unser Ziel, denn ohne diese Perspektive würde sich der Zeitaufwand am Ende nicht lohnen.
Michael Stock: Welche Tipps würdest du denn anderen Unternehmen geben, die jetzt sagen, Mensch, ich könnte mir vorstellen, diesen Ausbildungsberuf auch anzubieten?
Korbinian Urban: Die Ausbildung aus Sicht des Unternehmens denken: Welchen Vorteil kann ich mir dadurch schaffen, die Ausbildung anzubieten!
Michael Stock / Christina Bröker: Und zum Schluss noch ein letzter Gedanke zum Ausbildungsberuf Gestalter*in immersive Medien?
Korbinian Urban: Nur ein Satz: Schön, dass es Ihn jetzt gibt!
Das Gespräch mit Korbinian Urban haben wir am 16.12.2024 bei LinkedIn geführt.
Das ganze Interview kann man hier ansehen.