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Fünf Fragen an ... Alexander Stricker, Geschäftsführer von charamel und Alangu

Fünf Fragen an… Alexander Stricker, Gründer und Geschäftsführer der Charamel GmbH und der alangu GmbH in Köln. Charamel ist ein Anbieter von interaktiven Avataren, hieraus ist die alangu hervorgegangen, die AI-gesstütze Text>Gebärdensprache-Avatar-Lösungen weiterentwickelt. Seit 2023 wird hier ein Gestalter immersive Medien ausgebildet. 

Nachdem wir uns in der letzten Woche theoretisch mit ethischen Grundlagen der Avatar-Erstellung beschäftigt haben, wollten wir von Alexander wissen, wie es in der Praxis aussieht.

1. Welche ethischen Überlegungen haben bei der Entwicklung eurer Gebärden-Avatare von Anfang an eine Rolle gespielt?
Alexander Stricker: Von Beginn an standen für uns Diversität, Genauigkeit und kulturelle Verantwortung im Zentrum. Ein Avatar, der Gebärdensprache darstellt, muss präzise, realistisch und gut lesbar sein, denn Gebärdensprache ist hochkomplex und verlangt eine exakte visuelle Umsetzung. Gleichzeitig ist uns bewusst: Ein Avatar kann und soll keine menschlichen Dolmetscher ersetzen. Aber er kann dort unterstützen, wo Informationen bislang nicht zugänglich sind, etwa in Behörden, im öffentlichen Raum oder auf Webseiten. Als skalierbares Werkzeug bietet KI hier eine große Chance, vorausgesetzt, sie wird verantwortungsvoll entwickelt, mit einer klaren Haltung zu Inklusion und Repräsentation.

2. Wie geht ihr mit der Verantwortung um, eine Sprache visuell darzustellen, die für viele Menschen Identität und Teilhabe bedeutet?
Alexander Stricker: Gebärdensprache ist nicht nur ein Kommunikationsmittel, sondern Ausdruck kultureller Identität und tief verwurzelt in der Deaf Culture. Deshalb arbeiten wir konsequent mit tauben Kolleg:innen zusammen, insbesondere wenn es um die Einsatzfelder und Prioritäten geht. Ihre Expertise prägt unsere Entscheidungen, vom Vokabular bis zur Darstellung. Diese enge Zusammenarbeit ist nicht optional, sondern die Basis dafür, dass unsere Avatare als ernstzunehmendes Werkzeug für echte Teilhabe dienen können.

 3. Gab es in der Entwicklung Momente, in denen ihr bewusst gestalterische Entscheidungen hinterfragt oder verworfen habt – z. B. wegen möglicher Stereotypen oder Missverständnisse?
Alexander Stricker: Ja, regelmäßig. Die Entwicklung verläuft in der Regel immer iterativ. Wir haben z. B. viel über die Darstellung von Geschlecht, Hautfarbe oder Mimik diskutiert. Die Herausforderung besteht darin, Vielfalt sichtbar zu machen, ohne stereotype Bildwelten zu reproduzieren. Bei der Mimik wiederum ging es um eine sensible Balance: Sie ist für die Gebärdensprache essenziell, darf aber niemals übertrieben oder künstlich wirken. Solche Fragen klären wir nicht im stillen Kämmerlein, sondern im Austausch mit der Community. Das hilft uns, blinde Flecken zu vermeiden und echte Repräsentation zu schaffen.

 4. Inwiefern beeinflusst der visuelle Stil eurer Avatare (Körperform, Mimik, Kleidung) die Akzeptanz in der Community und wie geht ihr mit dieser Wirkung um?
Alexander Stricker: Sehr stark – denn die visuelle Gestaltung bestimmt sowohl die Lesbarkeit als auch das Vertrauen in den Avatar. Unsere Avatare sind bewusst menschenähnlich, aber nie täuschend echt. Das sogenannte „Uncanny Valley“ kann schnell zu Irritationen führen. Deshalb achten wir auf eine stimmige, glaubwürdige Darstellung mit klar erkennbarer Künstlichkeit. Gleichzeitig ist die Qualität der Animation entscheidend: Mimik, Körperhaltung und Timing müssen so präzise sein, dass die Gebärden flüssig und verständlich wirken. Auch scheinbar „technische“ Details wie Kleidung oder Hintergrundfarben beeinflussen die Verständlichkeit enorm, etwa durch Kontraste, die Hände und Gesicht deutlich erkennbar machen.

 5. Was würdet ihr anderen Gestalter:innen mitgeben, die selbst mit virtuellen Figuren, Avataren oder KI-generierten Körpern arbeiten?
Alexander Stricker: Gestaltet nicht für eine Zielgruppe, sondern mit ihr. Co-Creation mit echten Stakeholdern, egal ob Community, Nutzer:innen oder Fachpersonen ist keine Kür, sondern Voraussetzung für digitale Lösungen, die wirklich relevant sind. Virtuelle Figuren sind mehr als technische Objekte: Sie verkörpern oft Identität, Sprache oder Kultur. Wer hier ohne Partizipation gestaltet, läuft Gefahr, an den Menschen vorbei zu entwickeln. Unser Appell: Seht Technologie nicht nur als Mittel zur Effizienz, sondern als Chance für Teilhabe, wenn sie ethisch reflektiert und gemeinsam gestaltet wird.

Vielen Dank für die Antworten!

 

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