Direkt zum Inhalt

Beitrag

Fünf Fragen an ... Claus Steinstrass (Georg-Simon-Ohm-Berufskolleg Köln)

Berufsschule und Ausbildungsbetrieb: das sind die beiden zentralen Lernorte in der dualen Ausbildung. Damit sie sich gut ergänzen, braucht es Austausch, Verständnis füreinander und eine enge Zusammenarbeit: die sogenannte Lernortkooperation.

Im neuen Ausbildungsberuf Gestalter:in für immersive Medien ist diese Zusammenarbeit besonders wichtig und oft auch besonders herausfordernd. Denn die Inhalte sind neu, die Strukturen im Aufbau und nicht alle Beteiligten sprechen schon dieselbe Sprache. 

Wie also kann eine gute Lernortkooperation gelingen? Das haben wir Claus Steinstrass, Bereichsleitung Mediengestalter*in Bild und Ton sowie Gestalter*in immersive Medien am Georg-Simon-Ohm-Berufskolleg in Köln, gefragt

 

1. Wie erlebst du die Zusammenarbeit mit Ausbildungsbetrieben in der Praxis – was funktioniert gut, wo wird es schwierig?

 Was gut funktioniert:

  • Engagierte Betriebe bringen sich aktiv ein, geben Feedback zur schulischen Ausbildung und ermöglichen praxisnahe Projekte.
  • Regelmäßiger Austausch (z. B. über E-Mail, Telefonate oder gemeinsame Treffen) sorgt für Transparenz und gegenseitiges Verständnis. Dies ist besonders wichtig zum Start des neuen Ausbildungsberufs.
  • Innovative Betriebe bringen aktuelle Technologien und Trends ein, was besonders im Bereich immersiver Medien sehr wertvoll ist.

Herausforderungen:

  • Unterschiedliche Erwartungshaltungen: Betriebe setzen oft andere Schwerpunkte als die Schule. Die Umsetzung des Ausbildungsrahmenplans unterscheidet sich je Betrieb. Damit ist eine Synchronisierung zwischen Schule und Ausbildungsbetrieb, wie eigentlich angedacht, herausfordernd.
  • Zeitmangel auf beiden Seiten erschwert regelmäßige Abstimmungen.
  • Technologische Diskrepanzen: Nicht alle Betriebe arbeiten mit denselben Tools oder Workflows wie die Schule.

 2. In welchen Situationen merkst du besonders, ob die Abstimmung zwischen Schule und Betrieb funktioniert oder nicht?

  • Bei Projektarbeiten: Wenn Inhalte und Anforderungen nicht abgestimmt sind, entstehen Lücken oder Doppelungen.
  • In Prüfungsphasen: Unklare Zuständigkeiten oder fehlende Vorbereitung zeigen, ob die Kommunikation funktioniert hat.
  • Wenn Lernende überfordert oder unterfordert sind: Das deutet oft auf mangelnde Abstimmung der Lernziele hin.
  • Bei Feedbackgesprächen: Unterschiedliche Einschätzungen der Leistungen zeigen, ob ein gemeinsames Verständnis besteht.

 3. Was brauchen Berufsschullehrkräfte aus deiner Sicht, um ihren Part im dualen System gut umsetzen zu können?

  • Aktuelle Fachkenntnisse in immersiven Technologien (z. B. VR/AR-Software, Game Engines, 3D-Design).
  • Zeit und Ressourcen für Austausch mit Betrieben und zur kontinuierlichen Weiterbildung.
  • Didaktische Materialien, die auf die Praxis abgestimmt sind.
  • Einbindung in reale Projekte der Betriebe, um den Unterricht praxisnäher zu gestalten.

 4. Umgekehrt: Wie kann die Schule Betriebe besser unterstützen?

  • Transparente Kommunikation über Lerninhalte, Leistungsstand und Entwicklung der Auszubildenden.
  • Angebot von Fortbildungen oder Workshops für Ausbilder:innen zu pädagogischen Themen oder neuen Technologien.
  • Bereitstellung von Lehrmaterialien oder Projektideen, die Betriebe in die Ausbildung integrieren können.

 5. Wenn du einen Wunsch frei hättest: Was würdest du dir für die Lernort-Kooperation im neuen Ausbildungsberuf „Gestalter:in für immersive Medien“ wünschen?

Es sind zwei Wünsche: 

  • Regelmäßige Mitarbeit der Ausbilder im IHK-Prüfungsausschuss (zentral)
  • Ein zentrales, digitales Kooperationsportal, auf dem Schulen und Betriebe:
    • Lernziele und Projektideen austauschen können,
    • Feedback zu Auszubildenden geben,
    • gemeinsame Termine planen, 
    • Best Practices und Materialien teilen.

Ein Tool, so wie das Leando in Teilen bereits abbildet, könnte die Kommunikation vereinfachen, Transparenz schaffen und die Qualität der Ausbildung deutlich steigern – besonders in einem so dynamischen und technologiegetriebenen Berufsfeld.

 

Vielen Dank für die Antworten!

Was sind Eure Erfahrungen mit der Lernortkooperation?

 

Kommentare

Loggen Sie sich bitte ein um kommentieren zu können