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Fünf Fragen an ... Ingo Winkler, Ausbilder für Industriemechanik, Schott AG

Was hat ein weltweit operierender Industriebetrieb mit einem kreativen Medienberuf zu tun? Mehr, als man auf den ersten Blick denkt.

Ingo Winkler ist Ausbilder für Industriemechanik bei SCHOTT in Mainz. Schott ist bekannt für Spezialglas, Glaskeramik und das Trägermaterial „Zerodur“, das unter anderem im größten Spiegelteleskop der Welt eingesetzt wird. Als er auf den neuen Ausbildungsberuf Gestalter:in für immersive Medien aufmerksam wurde, war für ihn schnell klar: Das ist nicht nur etwas für Agenturen, sondern kann auch für international agierende Industrieunternehmen ein echter Gewinn sein, konkret im Bereich Training, HR oder digitale Zusammenarbeit.

Hier spricht er über erste Ideen, interne Überzeugungsarbeit und darüber, warum sich der Blick über den Tellerrand lohnen kann.

 

Frage 1: Was hat bei SCHOTT dein Interesse am neuen Ausbildungsberuf Gestalter:in für immersive Medien geweckt und wie bist du darauf aufmerksam geworden?

Ingo Winkler: Ich habe früher als Konstrukteur gearbeitet. Das Entwickeln von Produkten und deren 3D-CAD-Modellen ist sehr aufwändig und es braucht viele Stunden, bis ein Produkt oder Modell fertig ist.

Schon länger habe ich den Gedanken, dass man diese, aufwändig erstellten, 3D-CAD-Modelle für mehr nutzen sollte als „nur“ für Fertigungs-, Prüf-, Maßzeichnungen oder Step-Files. Schließlich handelt es sich hierbei um immaterielle Vermögenswerte. 

Ursprünglich war es die Idee eines elektronischen Ersatzteilkataloges. Der könnte zum Beispiel Servicepersonal recht schnell Informationen zu Baugruppen oder Bauteilen bereitstellen. 

2023 habe ich dann zum ersten Mal von Gestalter:in für immersive Medien gehört. In den letzten Monaten haben wir uns dann damit beschäftigt, welche Einsatzmöglichkeiten wir bei uns sehen. Besonders interessant finde ich an dem Berufsbild, dass es im Bereich der Mediengestaltung sehr breit aufgestellt ist.

 

Frage 2: SCHOTT ist ein Hightech-Unternehmen mit Schwerpunkt auf Werkstoffen. Wo siehst du konkrete Einsatzmöglichkeiten für immersive Medien in eurem Haus?

Ingo Winkler: Ich sehe in ganz vielen Bereichen konkrete Einsatzmöglichkeiten für immersive Medien. Allen voran bei uns im Bereich Education & Training, beim Gestalten von Lernszenarien für die unterschiedlichsten Zielgruppen. Durch den Einsatz verschiedener Medien lassen sich zudem Informationsbarrieren effektiv abbauen. Eine weitere Einsatzmöglichkeit sehe ich aber auch im Hinblick auf das Thema Arbeitssicherheit. In meinen Augen wird Arbeitssicherheit häufig viel zu isoliert betrachtet und nicht als Bestandteil einer fachlichen Expertise. Durch den Einsatz immersiver Medien kann ich die Konsequenzen meines Handelns erfahren, ohne wirtschaftlichen Schaden anzurichten oder mich in Gefahr zu begeben. Im Gegenteil, durch immersive Medien können wir Gefahren, welche in der realen Welt kaum darstellbar sind, darstellen. Hier fallen mir z.B. Gefahrenquellen wie unter Druck stehende Leitungen, Hitze, Strahlungen oder aber Rauche und Stäube ein. Wir haben bereits erste Versuche mit einem kleinen Training zum Thema „Flucht- und Rettungswege“ gemacht. Nachdem ein Alarm ertönt, muss man in einer vorgegebenen Zeit aus dem Gebäude finden. Die Reaktionen waren durchweg positiv.

Aber auch für das Engineering gibt es Anwendungsfälle. Wie schon eben erwähnt, lassen sich 3D-CAD-Modelle für viele weitere Zwecke nutzen. Von der Vorgabe einer Montagereihenfolge, beim Tausch eines Teils oder einer Baugruppe, bis hin zur Planung von komplexen Produktionsanlagen, welche sich dann  virtuell begehen lassen.  Selbst eine Logistikabteilung könnte davon profitieren, dass Mitarbeitende Teile ihrer Führerscheinausbildung für Flurförderfahrzeuge virtuell belegen.

 

Frage 3: Was versprichst du dir davon, eine GiM-Fachkraft intern auszubilden gerade im Vergleich zu externem Know-how aus Agenturen oder Start-ups?

Ingo Winkler: Ich sehe in einer GiM-Fachkraft vor allem eine Fachkraft, die über die Auswahl des richtigen Mediums berät. Je nach Anwendungsfall werden dann Inhalte multimedial und zielgruppengerecht erstellt bzw. aufgearbeitet. Ich denke, dass wir damit noch einmal die Qualität unserer betriebsinternen Informations- und Schulungsprodukte erheblich verbessern können. Weiterhin ist es so, dass die GiM-Fachkraft durchaus auch als Bindeglied zwischen den jeweiligen Bereichen und einer Agentur/ Start-up fungieren kann und somit mediale Projekte mit externen Dienstleistern entscheidend unterstützt. Ist das Projekt abgeschlossen, haben wir mit der Fachkraft die Möglichkeiten das Projekt intern weiterzuführen oder das Projektergebnis auf einem aktuellen Stand zu halten. Gerade Medien verändern sich rasant, mit der Fachkraft können wir aber dafür sorgen, dass wir auch in diesem Bereich nachhaltiger werden. Ich denke da vor allem an Reusable Learning Objects (RLOs).

 

Frage 4: Gab oder gibt es Hürden, wenn man in einem Industriebetrieb wie SCHOTT für einen kreativen Medienberuf wirbt? Was hat dir geholfen, intern dafür Interesse zu wecken?

Ingo Winkler: Ehrlich gesagt gab es keine wesentlichen Hürden. Schott ist ein Unternehmen das schon immer auf Innovationen gesetzt hat. Für mein Empfinden ist die GiM-Ausbildung sehr technologisch getrieben und passt daher sehr gut zu unserem Unternehmen. Wir produzieren ja auch Gläser für AR-Anwendungen. Ich denke, da liegt es nahe, dass wir uns auch intern mit diesem Thema beschäftigen. 

 

Frage 5: Was würdest du anderen Unternehmen raten, die sich bisher nicht als typische Ausbildungsbetriebe für diesen Beruf sehen, aber Potenzial erkennen?

Ingo Winkler: Ausbilden! Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir in den kommenden Jahren mehr und mehr Augmented-Anwendungen sehen und nutzen werden.

 

Im Rahmen unserer LinkedIn-Live Reihe haben Michael und ich mit Ingo über diese und weitere Fragen gesprochen.

Hier geht's zum Video - schaut doch mal rein.

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