Beitrag
Fünf Fragen an ... World of VR und die Netzgesellschaft Düsseldorf: Wie funktioniert die GiM-Ausbildung im Verbund?
Ausbilden, obwohl man nicht alle Inhalte allein abdecken kann? Dafür kann die Verbundausbildung eine Lösung sein.
World of VR aus Köln und die Netzgesellschaft Düsseldorf bilden seit 2025 gemeinsam einen Gestalter für immersive Medien aus. Der Ausbildungsvertrag läuft über die Stadtwerke Düsseldorf AG, fachlich wird der Azubi aber an mehreren Orten ausgebildet: bei der Netzgesellschaft, in der Berufsschule und bei World of VR.
Jens Epe von World of VR und Sven Köller von der Netzgesellschaft Düsseldorf beantworten, wie dieses Modell konkret funktioniert, was es dem Azubi bringt und warum Verbundausbildung für viele Betriebe ein realistischer Einstieg in den neuen Ausbildungsberuf sein kann.
1. Wie kam es dazu, dass ihr gemeinsam ausbildet?
Sven:
Zwischen der Netzgesellschaft Düsseldorf und World of VR gab es bereits vorher eine enge Zusammenarbeit. World of VR hat für uns schon verschiedene XR-Anwendungen und Use Cases entwickelt. Dadurch war das Thema bei uns nicht neu, sondern strategisch längst relevant.
Ein wichtiger Moment war für mich ein Gespräch mit Tobias, dem ersten GiM-Auszubildenden bei World of VR. Da wurde noch einmal klar: XR geht nicht wieder weg. Für uns als Netzgesellschaft ist es wichtig, nicht nur projektbezogen zu denken, sondern langfristig Wissen im Unternehmen aufzubauen.
Ich bin bei uns aktuell der Einzige, der sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Statt also einfach einen Kollegen einzuarbeiten, haben wir überlegt: Warum bauen wir dieses Wissen nicht über Ausbildung auf? Uns ging es vor allem darum, internes technisches Know-how zu entwickeln, das wir selbst so noch nicht vermitteln konnten. Als klassischer Betriebswirt bringe ich nicht automatisch die technischen Fähigkeiten mit, die für solche Anwendungen nötig sind. Genau da kann ein junger Mensch mit frischem Blick und technischem Interesse eine wichtige Rolle übernehmen.
2. Was bedeutet Verbundausbildung konkret?
Jens:
Verbundausbildung bedeutet, dass zwei Unternehmen gemeinsam eine Person ausbilden. Beim Beruf Gestalter:in für immersive Medien ist das besonders interessant, weil die Ausbildung sehr breit angelegt ist. Es gibt nur wenige Unternehmen, die alle Inhalte des Berufsbildes allein vollständig abdecken können.
Bei World of VR können wir viele technische und gestalterische Inhalte vermitteln. Bei der Netzgesellschaft gibt es wiederum die konkreten Anwendungen, Problemstellungen und Einsatzfelder. Dort ist das fachliche Wissen aus der Praxis vorhanden, aber nicht unbedingt das gestalterische oder technische XR-Know-how.
Deshalb übernehmen wir bei World of VR in diesem Modell ein Stück weit die Rolle einer Lehrwerkstatt. Wir geben unser Wissen weiter und vermitteln dem Auszubildenden in enger Abstimmung mit der Netzgesellschaft die Inhalte, die dort intern nicht abgedeckt werden können. So entsteht eine Ausbildung, die beide Perspektiven zusammenbringt: die XR-Kompetenz aus dem Studio und die realen Anwendungsfälle aus einem Infrastrukturunternehmen.
3. Wie ist die Verbundausbildung organisatorisch geregelt?
Sven:
Der Ausbildungsvertrag wurde mit der Stadtwerke Düsseldorf AG geschlossen, also der Muttergesellschaft der Netzgesellschaft Düsseldorf. Der Auszubildende läuft dort über die Payroll.
Fachlich findet die Ausbildung aber an drei Orten statt: bei der Netzgesellschaft in Düsseldorf, in der Berufsschule und bei World of VR in Köln. Wenn keine Berufsschule ist, ist die Woche in der Regel so aufgeteilt: ein Tag bei der Netzgesellschaft, vier Tage bei World of VR.
Das klingt erst einmal aufwendig, ist aber gut organisierbar, wenn die Rollen klar sind und man regelmäßig miteinander spricht.
4. Was unterscheidet Verbundausbildung von einer klassischen Ausbildung in nur einem Betrieb?
Sven:
Der größte Unterschied ist, dass der Auszubildende nicht jeden Tag bei uns im Betrieb ist. Dadurch sind die Anforderungen an ihn höher. Er muss mehr mitdenken, selbstständiger arbeiten und seine Termine gut im Blick behalten.
Gerade in der Terminsteuerung hat er viel gelernt, weil er zwischen verschiedenen Orten und Anforderungen wechseln muss.
Jens:
Dazu kommt: Er erlebt zwei sehr unterschiedliche Arbeitswelten. Auf der einen Seite einen Konzern bzw. ein kommunales Infrastrukturunternehmen, auf der anderen Seite ein XR-Studio aus dem Start-up-Umfeld, in dem nicht alles langfristig durchgeplant ist.
Das kann sehr wertvoll sein, erfordert aber auch Flexibilität. Und auch wir als Ausbilder müssen uns mehr abstimmen als in einer klassischen Ausbildung.
5. Für welche Betriebe ist Verbundausbildung interessant?
Sven:
Für Betriebe, die konkrete Anwendungsszenarien haben, aber nicht alle technischen oder gestalterischen Inhalte allein vermitteln können. Bei uns gibt es die realen Einsatzfelder, das betriebliche Umfeld und die strategische Bedeutung von XR. Aber das spezifische technische Know-how können wir intern nicht in der Tiefe abdecken.
Dafür braucht es einen Partner wie World of VR. Dort gibt es die Tools, die Projektpraxis und die Erfahrung in der Umsetzung.
Jens:
Natürlich muss man sich gut überlegen, mit wem man eine Verbundausbildung macht. Vertrauen ist dafür eine wichtige Grundlage. Bei uns bestand die Beziehung zur Netzgesellschaft schon vorher.
Aus unserer Sicht kann es die Zusammenarbeit sogar verbessern, wenn auf Kundenseite jemand sitzt, der unsere Prozesse versteht. Dann spricht man fachlich auf einer anderen Ebene miteinander. Und klar ist auch: Hinter unseren Leistungen steht nicht eine einzelne Person, sondern ein ganzes Team.
Sven:
Langfristig geht es natürlich auch darum, internes Know-how aufzubauen. Aber nicht, um World of VR zu ersetzen. Der strategische Gedanke ist: Wir wollen Technikkompetenz ins Unternehmen holen, mehr Menschen mit dem Thema vertraut machen und frühzeitig Nachfolge aufbauen.
Und euer Rat an Betriebe, die noch zögern?
Verbundausbildung ist kein Notnagel, sondern ein praktikabler Weg, Ausbildung möglich zu machen. Gerade beim GiM müssen nicht alle Betriebe jedes Thema allein abdecken. Wer die passenden Anwendungsszenarien hat, aber nicht das komplette technische oder gestalterische Know-how, kann sich Partner suchen.
Wichtig sind Vertrauen, klare Absprachen und die Bereitschaft, Ausbildung gemeinsam zu denken.
Kurz gesagt: Bildet aus – im Zweifel gemeinsam.