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Tipp der Woche: Prüfungsangst: Typische Fehler, was stattdessen hilft und wie Ausbilder:innen und Lehrkräfte unterstützen können
Prüfungsangst ist vermutlich so alt wie Prüfungen selbst. Für Ausbilder:innen und Lehrkräfte ist sie vor allem deshalb relevant, weil sie Leistung nicht nur begleitet, sondern mitunter auch blockiert. Ein bisschen Lampenfieber gehört für viele dazu. Unangenehm wird es dann, wenn die Nervosität komplett übernimmt und die Anspannung zum Endgegner wird.
Das Ziel ist also nicht, vor der Prüfung völlig angstfrei zu sein. Das wäre schön, ist aber für viele völlig unrealistisch. Wichtiger ist etwas anderes: TROTZ Nervosität HANDLUNGSFÄHIG zu bleiben.
Denn Prüfungsangst wird oft nicht nur durch die Prüfung selbst größer, sondern auch durch die reflexhaften Gegenstrategien, mit denen man sie in den Griff bekommen will. Einige davon sind erstaunlich beliebt. Und leider erstaunlich unhilfreich.
1. Alles perfekt können wollen
😱 Prüfungsangst und Perfektionismus sind ein unerquicklich gutes Team. Wer kurz vor der Prüfung denkt, jede Lücke schließen zu müssen, überfordert sich zuverlässig selbst.
💡 👉 Stattdessen: Stoff sortieren: Was muss wirklich sitzen? Was sollte man können? Und was wäre gut, ist aber nicht kriegsentscheidend? Nicht alles gleichzeitig retten zu wollen, ist keine Kapitulation, sondern eine ziemlich vernünftige Strategie. Think priorities!
‼️ Wer Azubis vermittelt, dass nicht jede Unsicherheit ein Drama ist, nimmt bereits in der Ausbildung Druck aus dem Kessel.
2. Bis spät in die Nacht lernen und das für gute Vorbereitung halten
😱 Ein Klassiker. Je näher die Prüfung rückt, desto verlockender wirkt die Idee, einfach noch länger durchzuhalten. Das fühlt sich erstmal nach Einsatz an, ist aber oft nur die etwas erschöpfte Variante von Panikmanagement.
💡 Das Problem: Ein müdes Gehirn arbeitet nicht besser, sondern fehleranfälliger.
👉 Stattdessen: am Vorabend rechtzeitig Schluss machen und versuchen, wenigstens halbwegs gut zu schlafen. Davon hat man am nächsten Tag meist mehr, als von einer weiteren Nachtschicht.
‼️ Für Ausbilder:innen und Lehrkräfte ist das eine eher banale, aber wichtige Erinnerung: Nicht jeder Fleiß ist hilfreich. Manchmal ist die bessere Empfehlung, nicht noch mehr Stoff draufzupacken.
3. Den Stoff lernen, aber die Prüfungssituation nicht üben
😱 Viele bereiten Inhalte vor, aber nicht die Situation selbst.
💡 Dabei macht oft den Stress: unter Zeitdruck denken, etwas erklären, strukturiert antworten, mit Nervosität umgehen.
👉 Stattdessen: Prüfung einmal trocken durchspielen: Fragen laut beantworten, Zeit stoppen, Abläufe durchgehen, den Einstieg einmal üben. Gerade bei Gestalter:innen für immersive Medien kommt oft noch dazu, dass Technik, Gestaltung und Präsentation zusammenspielen. Umso sinnvoller ist es, nicht nur den Inhalt zu können, sondern auch das Setting einmal realistisch zu testen.
‼️ Hier können Ausbilder:innen und Lehrkräfte konkret ansetzen: mit Probepräsentationen, mündlichen Abfragen oder kleinen Simulationen, die den Prüfungsmodus vorab etwas weniger fremd machen.
4. An einer Aufgabe festkleben, bis die Panik mitmacht
😱 Wenn eine Frage nicht sitzt, passiert schnell das Gegenteil von dem, was hilft: Man bleibt hängen, verliert Zeit, zweifelt an sich und macht daraus innerlich eine mittelschwere Katastrophe.
💡👉 Stattdessen: mit dem weiterzumachen, was greifbar ist. Nicht jede Frage muss sofort gelöst werden. Manchmal ist der klügere Schritt: weitergehen und später zurückkommen.
‼️ In der Vorbereitung Strategien vermitteln für den Fall, dass etwas nicht auf Anhieb sitzt.
5. Den Blackout für den kompletten Absturz halten
😱 Ein Blackout fühlt sich in dem Moment schnell größer an, als er ist. Der Gedanke „Jetzt ist alles vorbei“ ist verständlich, verschärft die Blockade meistens leider noch.
💡👉 Stattdessen: Moment kleiner machen, kurz stoppen, bewusst ausatmen, die Frage noch einmal lesen oder wiederholen lassen, zum letzten sicheren Punkt zurückgehen. Ein Blackout ist unangenehm, aber nicht automatisch das Ende. Oft reicht ein kleiner nächster Schritt, damit der Kopf wieder anschlussfähig wird.
‼️ Für Lehrkräfte, Ausbilder:innen und Prüfende: bei Blackouts helfen, wieder Anschluss zu finden (macht Ihr alle ja sowieso 😁).
Fazit: Prüfungsangst verschwindet nicht auf Knopfdruck. Sie muss aber auch nicht der Endgegner werden. Wer typische Fehlreaktionen kennt und rechtzeitig gegensteuert, hat bessere Chancen, in der Prüfung bei sich zu bleiben. Nicht vollkommen gelassen. Aber klar genug, um zu zeigen, was man kann.
Ausbilder:innen und Lehrkräfte können dazu beitragen, dass Azubis typische Stressmuster früher erkennen, Prüfungssituationen realistischer einüben und mit ihrer Nervosität etwas weniger allein bleiben.