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Wie alles begann: Die Entwicklung des Ausbildungsberufs Gestalter:in für immersive Medien
Wie entsteht eigentlich ein neuer Ausbildungsberuf und warum war es gerade im Bereich der immersiven Medien so dringend nötig?
In ihrem Fachbeitrag (in den Dateien der GiM-Community zu finden) zeigt Dr. Heike Krämer vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), wie aus konkreten Praxisbedarfen und Forschungserkenntnissen der Beruf Gestalter:in für immersive Medien entwickelt wurde und warum er nicht einfach als Erweiterung bestehender Medienberufe denkbar war.
Der Text bietet fundierte Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Berufs, den Abstimmungsprozess mit Sozialpartnern und Ministerien sowie die Rolle, die Leando als Plattform dabei spielt.
Für alle, die GiM ausbilden, unterrichten oder selbst lernen, ist dieser Hintergrund lesenswert. Als Orientierung, Einordnung und Einladung, die Weiterentwicklung aktiv mitzugestalten.
Wir haben Dr. Heike Krämer außerdem noch folgende Fragen gestellt:
1. Was war für Sie der entscheidende Impuls, um die Entwicklung eines neuen Ausbildungsberufs für immersive Medien überhaupt in Gang zu bringen?
Bereits im Rahmen der Neuordnung des Ausbildungsberufes Mediengestalter/-in Bild und Ton in den Jahren 2018/2019 gab es im Sachverständigenkreis die Diskussion, ob die Gestaltung und Erstellung immersiver Medien in das Berufsbild aufgenommen werden sollten. Allerdings waren die Inhalte dieses Ausbildungsberufes bereits schon so komplex, dass eine weitere Ausweitung nicht realistisch erschien. Auch aus anderen Bereichen, wie z. B. den Digitalmedien, gab es Hinweise, dass Augmented und Virtual Reality ein interessantes neues Geschäftsfeld darstellen und eine Ausbildung sinnvoll sein könnte. Nach einem Workshop des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) mit Expertinnen und Experten, entschied sich das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) das BIBB mit einer Voruntersuchung zum Qualifizierungsbedarf in der Branche zu beauftragen.
2. Wie lief die Zusammenarbeit zwischen Forschung, Ministerien, Sozialpartnern und Praxisakteuren konkret ab? Gab es Stolpersteine oder Aha-Momente?
Die Voruntersuchung war von einem sehr offenen Klima geprägt. Trotz der Tatsache, dass diese mitten in der Corona-Pandemie stattfand, gab es eine große Bereitschaft unterschiedlicher Betriebe, Einblick in die Produktionsweise bei der Erstellung immersiver Medien und Auskunft über den Personalbedarf und die bisherigen Zugangsmöglichkeiten zu diesem Tätigkeitsfeld zu geben. Regelmäßig fanden parallel dazu Workshops mit Expertinnen und Experten sowie Beiratssitzungen, an denen auch die Sozialpartner*innen und die Ministerien beteiligt waren, statt. Die dort geführten Diskussionen waren sehr konstruktiv und so konnten im Ergebnis der Voruntersuchung schon konkrete inhaltliche Vorschläge vorgestellt werden.
3. Welche Erkenntnisse aus der Voruntersuchung haben Sie besonders überrascht oder zum Umdenken gebracht?
Erstaunlich war, welche Vielfalt an potentiellen Ausbildungsunternehmen sich zeigte. Neben den Unternehmen, die hauptsächlich mit der Erstellung immersiver Medien befasst waren, zeigte sich auch Bedarf in anderen Medienunternehmen. Aber auch Maschinenhersteller, Möbelbauer, die Automobilindustrie sowie Kunst- und Kultureinrichtungen zeigten großes Interesse an der Entwicklung eines solchen Berufes. Im Ergebnis war klar, dass es eine Empfehlung zur Schaffung eines eigenständigen Ausbildungsberufes Gestalter/-in für immersive Medien geben musste. So folgte unmittelbar im Anschluss der Voruntersuchung die Sachverständigenarbeit zur Erstellung einer Ausbildungsordnung für diesen Beruf. Im Jahr 2023 trat diese Verordnung in Kraft.
4. Wie würden Sie das Berufsbild heute beschreiben – was ist das Besondere an „Gestalter:in für immersive Medien“?
Gestalter/-innen für immersive Medien befassen sich hauptsächlich mit der Gestaltung und Erstellung virtueller und dreidimensionaler Welten. Das unterscheidet sie von den anderen Mediengestalter/-innen, die mit hauptsächlich zweidimensionalen Bild- und Tonproduktionen oder Digital- und Printmedien befasst sind. Gemeinsam ist diesen Berufen, dass sie dual ausgebildet werden, d. h. der Großteil der Ausbildung findet im Betrieb statt und ca. ein Viertel in der Berufsschule. Besonders zu erwähnen ist sicherlich, dass die Einführung des neuen Berufes durch verschiedene Maßnahmen begleitet wird. So gibt es z. B. auf der Leando-Seite des BIBB diese GiM- Community, die sich mit den unterschiedlichen Fragen die im Laufe der Ausbildung auftauchen können, befasst. Eine eigene Website gibt darüber hinaus spezielle Informationen für Ausbildungsinteressierte, Auszubildende, Betriebe und Berufsschulen: www.gestaltung-immersiv.de
5. Was wünschen Sie sich für die Zukunft dieses Berufs – und was braucht es aus Ihrer Sicht, damit er sich weiterentwickeln kann?
Wichtig ist, dass der Beruf weiter wachsen wird. So müssten auch neue Unternehmen ermutigt werden, diesen Beruf auszubilden. Deshalb ist es wichtig, auf die Unterstützungen hinzuweisen, die es für Ausbildungsbetriebe gibt. Zu nennen wäre da auch die BIBB-Umsetzungshilfe „Ausbildung gestalten“, die kostenfrei als Download zur Verfügung steht: Zur Umsetzungshilfe. Außerdem gibt es in verschiedenen Regionen Netzwerke von Ausbildungsbetrieben, Berufsschulen sowie Expertinnen und Experten, in denen man sich zu unterschiedlichen Fragen der Ausbildung austauschen und Rat einholen kann. Auch das Thema Prüfungen kann dort thematisiert werden. In diesem Jahr fanden die ersten Zwischenprüfungen statt und im kommenden Jahr stehen die Abschlussprüfungen an. Netzwerke können hier helfen, Unsicherheiten zu beseitigen. Die unterschiedlichen Akteure sind gut in Communities verankert und deshalb können auch neue Betriebe ermutigt werden, zukünftig diesen spannenden Beruf Gestalter/-in für immersive Medien auszubilden.
Vielen Dank an Dr. Heike Krämer für die wertvollen Einblicke.