Ob auf dem Schiff, im Sudhaus, in der Kfz-Werkstatt oder in der Kläranlage: Die vier Praxisbeispiele machen deutlich, dass digitale Simulationen Möglichkeiten für Ausbildung und Prüfung öffnen. Sie werfen aber auch grundlegende Fragen auf.
Gefahrlos üben, realistisch prüfen
Ein großer Vorteil von Simulationen liegt darin, dass sie Situationen abbilden können, die in der Realität nur schwer oder mit erheblichen Risiken nachzustellen wären. Besonders deutlich wurde das am Beispiel der Binnenschifffahrt: Notfallmanöver lassen sich im Simulator realitätsnah prüfen, ohne Menschen oder Material zu gefährden.
Auch in Brauereien oder Kläranlagen bieten Simulationen Vorteile. Komplexe Prozessabläufe können geübt oder geprüft werden, ohne laufende Prozesse zu stören oder Produkte zu gefährden.
Mehr als Technik: Entscheidungen sichtbar machen
Simulationen können nicht nur Handlungen nachvollziehbar machen, sondern auch Denkprozesse. Das zeigte das Beispiel der Fehlerdiagnose bei den Kfz-Mechatroniker/-innen: In der Simulation wird erfasst, ob ein Fehler gefunden wird, außerdem, wie die Prüflinge bei der Diagnose vorgehen und welche Entscheidungen sie treffen.
Für die Ausbildung und Prüfungsvorbereitung ergeben sich weitere Vorteile von Simulationen: Auszubildende können Fehler machen und daraus lernen, ohne Angst, etwas kaputt zu machen. Das fördert die Motivation und nimmt Prüfungsängste. Gleichzeitig gehört der sichere Umgang mit digitalen Systemen und Simulationen in vielen Berufen inzwischen selbst zur beruflichen Handlungskompetenz.
Nicht alles lässt sich simulieren
So groß die Potenziale sind – es gibt auch Grenzen: Eine Fehlerdiagnose am Fahrzeug lässt sich simulieren, der manuelle Umgang mit Werkzeugen hingegen nicht. Ob der Einsatz einer Simulation sinnvoll ist, hängt deshalb immer von den Anforderungen des jeweiligen Berufs ab.
Hinzu kommen wirtschaftliche Fragen. Die Entwicklung digitaler Simulationen, zudem für den Prüfungseinsatz, ist in der Regel aufwendig und kostenintensiv. Nutzen und Aufwand sind sorgfältig gegeneinander abzuwiegen. Die gemeinsame Entwicklung und Nutzung durch mehrere zuständige Stellen könnte perspektivisch Ressourcen einsparen.
Die Verantwortung bleibt beim Prüfungsausschuss
Die Entscheidung darüber, was geprüft wird und wie Prüfungsleistungen bewertet werden, bleibt beim Prüfungsausschuss. Dieser sollte schon früh in die Entwicklung von Simulationsszenarien eingebunden werden.
Bei der Bewertung können Simulationen etwa durch automatisch erfasste Prozessdaten unterstützen. Die dabei entstehenden Protokolle und Logfiles erhöhen zugleich die Nachvollziehbarkeit und damit die Rechtssicherheit der Bewertung. Welche Kriterien bewertet werden und wie einzelne Leistungen zu gewichten sind, muss weiterhin der Prüfungsausschuss festlegen.
Fazit: Potenzial ist da – es gibt aber noch offene Fragen
Was sind Faktoren für eine erfolgreiche Implementierung von digitalen Simulationen in Prüfungen? Ausreichend Zeit für die Qualifizierung von Prüflingen und Prüfenden, transparente Systeme, die Einhaltung anerkannter Gütekriterien sowie eine durchdachte Dokumentation aller Abläufe wurden in diesem Zusammenhang genannt.
Auch wenn sich die vier vorgestellten Berufe hinsichtlich ihrer Erfahrungen unterscheiden, beschäftigen sie ähnliche Fragen: Wo schaffen Simulationen einen echten Mehrwert? Wie lässt sich Skalierbarkeit mitdenken? Wie können Abhängigkeiten von Software und Anbietern begrenzt werden? Und welche rechtlichen Rahmenbedingungen sind künftig erforderlich?
Die Workshopreihe „Digitale Transformation der Berufsabschlussprüfungen" wird solchen Fragen weiter nachgehen.