Leando - ausbilden, prüfen, vernetzen

"Hauswirtschafterinnen und Hauswirtschafter sind eigentlich Multi-Manager"

Interview mit dem Projekt HAND

07. April 2026

Nachhaltigkeit spielt auch in der Hauswirtschaft eine immer größere Rolle – insbesondere beim Umgang mit Ressourcen. Das Projekt HAND ("Hauswirtschaftliche Ausbildung nachhaltig denken"), das im Rahmen des Programms "Nachhaltig im Beruf – zukunftsorientiert ausbilden (NIB)" des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördert wird, zeigt, wie sich nachhaltiges Denken und Handeln gezielt in der Ausbildung stärken lässt. Dazu werden im Vorhaben neue Lernformate entwickelt – von praxisnahen Materialien und Workshops bis zum interaktiven Escape Room.

Frau lächelnd in Arbeitskleidung vor Industriewaschmaschine

Katharina Kaiser ist Leiterin der Berufsschule Auerbach, die sich in Trägerschaft des Bildungswerks der Sächsischen Wirtschaft (BSW) befindet. Dort werden seit August 2024 junge Menschen zur Hauswirtschafterin bzw. zum Hauswirtschafter ausgebildet. Im Gespräch mit Leando stellt sie HAND vor. 

Leando: Wie ist die Idee zum Projekt HAND entstanden? 

Kaiser: Als Berufsschule bilden wir am Standort Auerbach selbst Hauswirtschafterinnen und Hauswirtschafter aus und haben dadurch in Sachsen ein großes Netzwerk an Betrieben aus der Praxis. Vor diesem Hintergrund und aus dem Bedarf heraus nachhaltiger zu werden, ist das Projekt entstanden. Jetzt schulen wir Ausbilderinnen und Ausbilder in der Hauswirtschaft zum Thema Nachhaltigkeit und verankern die Nachhaltigkeitsziele im Lehrplan der Hauswirtschaft. Wir richten uns dabei vor allem an Gastronomiebetriebe und Pflegeeinrichtungen. 

Wie erreichen Sie diese Zielgruppe? 

Oft läuft die Kontaktaufnahme über persönliche Bekanntschaften – also über Mund-zu-Mund-Propaganda. Es spricht sich über die Berufsschulklassen herum oder Betriebe hören, dass bestimmte Maßnahmen, die wir anbieten, anderswo gut funktioniert haben. Dann melden sie sich bei uns und möchten ebenfalls eine Schulung durchführen. 

Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit: An welchem Punkt holen sie die Betriebe ab? 

Meistens kommen die Betriebe mit einer ganz konkreten Idee zu uns. Dann lautet etwa die Frage: Wie können wir vorgehen, wenn wir in unserer Einrichtung ein anderes, nachhaltigeres Desinfektionsmittel einsetzen möchte? In solchen Fällen beraten wir zu konkreten Abläufen und Prozessen und geben praktische Tipps.

"Hauswirtschafterinnen und Hauswirtschafter haben eine Schlüsselrolle im Betrieb, weil sie mit vielen unterschiedlichen Bereichen und Personen zu tun haben."

Katharina Kaiser

Logo Förderprogramm Nachhaltig im Beruf (NIB)

Nachhaltig im Beruf – zukunftsorientiert ausbilden

"Nachhaltig im Beruf" stärkt die Umsetzung, Verbreitung und Verankerung einer Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE). Das Programm des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) unterstützt die Anwendung der Standardberufsbildposition "Umweltschutz und Nachhaltigkeit" in der Ausbildungspraxis, so dass die Fachkräfte von morgen bereits heute lernen, ökologisch, sozial und ökonomisch verantwortlich zu handeln. "Nachhaltig im Beruf" ist kofinanziert über den Europäischen Sozialfonds Plus. Mit der fachlichen Begleitung ist das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) beauftragt, mit der administrativen Begleitung die Knappschaft-Bahn-See (KBS).

www.nachhaltig-im-beruf.de

Die Hauswirtschaft hat noch immer mit Klischees zu kämpfen. Woran liegt das? 

Der Beruf hat leider noch nicht die Lobby, die er verdient, und kämpft mit einem schlechten Image. Viele denken, es gehe nur um Kochen und Reinigen. Was tatsächlich alles dazugehört, wissen viele gar nicht. Aber genau daran arbeiten wir. 

Was macht den Beruf in Wirklichkeit aus? 

Hauswirtschafterinnen und Hauswirtschafter haben eine Schlüsselrolle im Betrieb, weil sie mit vielen unterschiedlichen Bereichen und Personen zu tun haben. Im Grunde sind sie Multi-Manager. Und gerade beim Ressourcenmanagement – etwa bei Bestellungen oder beim Umgang mit Materialien – können sie Nachhaltigkeit direkt umsetzen. Ein Beispiel ist das sogenannte Vier-Farben-System in der Reinigung. Damit lassen sich Putzlappen mehrfach verwenden, statt Einmalprodukte einzusetzen. Damit das funktioniert, müssen jedoch alle Mitarbeitenden im Betrieb wissen, wie das System richtig angewendet wird. Hierfür sorgen die Hauswirtschafterinnen und Hauswirtschafter.

Welche Schulungsformate umfasst HAND? 

Die Schulungen bestehen aus mehreren Bausteinen, die ineinandergreifen: Workshops bei uns an der Schule, eintägige In-House-Schulungen in Betrieben und sogenannte "Lern-Nuggets" als Online-Angebote. Wir arbeiten dabei bewusst nicht mit klassischen Präsentationen. Stattdessen setzen wir zum Beispiel einen Escape Room ein. Dort müssen die Teilnehmenden Aufgaben lösen – etwa die Lappen des Vier-Farben-Systems richtig zu sortieren –, um aus dem Raum zu kommen. So lässt sich das Thema spielerisch vermitteln, und erfahrungsgemäß bleibt dadurch mehr hängen. 

Welche Escape Rooms gibt es bereits? 

Ein Escape Room beschäftigt sich mit nachhaltiger Reinigung, ein weiterer mit dem Bereich Küche. In der Küche müssen die Teilnehmenden zum Beispiel herausfinden, wie man ein Menü möglichst saisonal und nachhaltig zusammenstellt. Andere Aufgaben drehen sich darum, Lebensmittel im Kühlschrank richtig zu sortieren, damit sie möglichst lange haltbar bleiben. 

Für wen sind die Escape Rooms konzipiert? 

Die Escape Rooms absolvieren Ausbilderinnen und Ausbilder zunächst gemeinsam mit ihren Auszubildenden bei uns. Ziel ist aber, dass die Ausbilderinnen und Ausbilder die Inhalte anschließend im eigenen Betrieb weiter aufgreifen und dort damit arbeiten. Dies ist ein sehr wichtiger Schritt. 

"Die meisten Betriebe möchten durchaus nachhaltiger arbeiten. 
Schwieriger ist es oft, bestehende Abläufe zu verändern."

Katharina Kaiser

Können Sie weitere Beispiele für mehr Nachhaltigkeit in der Hauswirtschaft nennen? 

Im Pflegebereich versuchen wir zum Beispiel, vorhandene Ressourcen besser zu nutzen. Viele ältere Menschen besitzen sehr viele Handtücher, von denen sie nur wenige nutzen. Wir haben deshalb begonnen, überschüssige Handtücher zu Kleiderschutz umzunähen. Damit lassen sich Einmal-Lätzchen ersetzen, die zudem oft unangenehm rascheln. Ein weiteres Beispiel sind Gemüsegärten. An unserer Schule und auch bei vielen Kooperationspartnern in der Region gibt es solche Gärten. Dort können Lebensmittel angebaut und in der Küche genutzt werden. In Gärten von Pflegeeinrichtungen lassen sich übrigens die Bewohnerinnen und Bewohner gerne in die Gartenarbeit einbeziehen. Überhaupt haben viele ältere Menschen selbst zahlreiche Spartipps, etwa zum Wassersparen. Dieses Wissen sollte man immer gezielt einbeziehen.

Stoßen Sie beim Thema Nachhaltigkeit auch auf Widerstände? 

Eigentlich selten. Die meisten Betriebe möchten durchaus nachhaltiger arbeiten. Schwieriger ist es oft, bestehende Abläufe zu verändern. Der Gedanke "Das haben wir schon immer so gemacht" spielt dabei eine Rolle. Gewohnheiten zu ändern ist für alle Menschen nicht leicht. 

Können Ausbilderinnen und Ausbilder solche Veränderungen allein anstoßen? 

Nein, das funktioniert nur gemeinsam mit dem gesamten Betrieb. Neben den Ausbilderinnen und Ausbildern müssen auch andere Mitarbeitende eingebunden werden. In der Hauswirtschaft gibt es vergleichsweise wenige Ausbilderinnen und Ausbilder und ihre Rolle ist weniger stark formalisiert als in manchen anderen Berufen. Letztlich muss der ganze Betrieb den Weg zu mehr Nachhaltigkeit mitgehen. 

Welche Wirkung hat das Projekt bisher erzielt? 

Das Projekt hat die Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern deutlich intensiviert. Besonders für die Lernortkooperation – also die Zusammenarbeit zwischen Schule und Praxis – war das sehr hilfreich. Es ist ein lebendiger Austausch von Ideen entstanden. Inzwischen planen wir auch, das Projekt auszuweiten. Gemeinsam mit dem Projekt BBNE-EcoNet arbeiten wir daran, unsere Angebote auch in Bayern und Thüringen bereitzustellen. Dabei wollen wir vor allem unsere Online-Lernangebote weiterentwickeln und interaktiver gestalten. Ich denke, dass wir mit HAND bereits einige Impulse für mehr Nachhaltigkeit in der Hauswirtschaft gesetzt haben.