Die Hauswirtschaft hat noch immer mit Klischees zu kämpfen. Woran liegt das?
Der Beruf hat leider noch nicht die Lobby, die er verdient, und kämpft mit einem schlechten Image. Viele denken, es gehe nur um Kochen und Reinigen. Was tatsächlich alles dazugehört, wissen viele gar nicht. Aber genau daran arbeiten wir.
Was macht den Beruf in Wirklichkeit aus?
Hauswirtschafterinnen und Hauswirtschafter haben eine Schlüsselrolle im Betrieb, weil sie mit vielen unterschiedlichen Bereichen und Personen zu tun haben. Im Grunde sind sie Multi-Manager. Und gerade beim Ressourcenmanagement – etwa bei Bestellungen oder beim Umgang mit Materialien – können sie Nachhaltigkeit direkt umsetzen. Ein Beispiel ist das sogenannte Vier-Farben-System in der Reinigung. Damit lassen sich Putzlappen mehrfach verwenden, statt Einmalprodukte einzusetzen. Damit das funktioniert, müssen jedoch alle Mitarbeitenden im Betrieb wissen, wie das System richtig angewendet wird. Hierfür sorgen die Hauswirtschafterinnen und Hauswirtschafter.
Welche Schulungsformate umfasst HAND?
Die Schulungen bestehen aus mehreren Bausteinen, die ineinandergreifen: Workshops bei uns an der Schule, eintägige In-House-Schulungen in Betrieben und sogenannte "Lern-Nuggets" als Online-Angebote. Wir arbeiten dabei bewusst nicht mit klassischen Präsentationen. Stattdessen setzen wir zum Beispiel einen Escape Room ein. Dort müssen die Teilnehmenden Aufgaben lösen – etwa die Lappen des Vier-Farben-Systems richtig zu sortieren –, um aus dem Raum zu kommen. So lässt sich das Thema spielerisch vermitteln, und erfahrungsgemäß bleibt dadurch mehr hängen.
Welche Escape Rooms gibt es bereits?
Ein Escape Room beschäftigt sich mit nachhaltiger Reinigung, ein weiterer mit dem Bereich Küche. In der Küche müssen die Teilnehmenden zum Beispiel herausfinden, wie man ein Menü möglichst saisonal und nachhaltig zusammenstellt. Andere Aufgaben drehen sich darum, Lebensmittel im Kühlschrank richtig zu sortieren, damit sie möglichst lange haltbar bleiben.
Für wen sind die Escape Rooms konzipiert?
Die Escape Rooms absolvieren Ausbilderinnen und Ausbilder zunächst gemeinsam mit ihren Auszubildenden bei uns. Ziel ist aber, dass die Ausbilderinnen und Ausbilder die Inhalte anschließend im eigenen Betrieb weiter aufgreifen und dort damit arbeiten. Dies ist ein sehr wichtiger Schritt.
"Die meisten Betriebe möchten durchaus nachhaltiger arbeiten.
Schwieriger ist es oft, bestehende Abläufe zu verändern."
Katharina Kaiser
Können Sie weitere Beispiele für mehr Nachhaltigkeit in der Hauswirtschaft nennen?
Im Pflegebereich versuchen wir zum Beispiel, vorhandene Ressourcen besser zu nutzen. Viele ältere Menschen besitzen sehr viele Handtücher, von denen sie nur wenige nutzen. Wir haben deshalb begonnen, überschüssige Handtücher zu Kleiderschutz umzunähen. Damit lassen sich Einmal-Lätzchen ersetzen, die zudem oft unangenehm rascheln. Ein weiteres Beispiel sind Gemüsegärten. An unserer Schule und auch bei vielen Kooperationspartnern in der Region gibt es solche Gärten. Dort können Lebensmittel angebaut und in der Küche genutzt werden. In Gärten von Pflegeeinrichtungen lassen sich übrigens die Bewohnerinnen und Bewohner gerne in die Gartenarbeit einbeziehen. Überhaupt haben viele ältere Menschen selbst zahlreiche Spartipps, etwa zum Wassersparen. Dieses Wissen sollte man immer gezielt einbeziehen.