Leando: Künstlicher Intelligenz wird zugeschrieben, die Arbeitswelt nachhaltig verändern zu können. Reaktionen darauf reichen von schierer Begeisterung bis zu blanker Angst. Mit welcher Emotion sollte man am besten auf ChatGPT und Co. blicken?
Nahm: Ich denke, dass Neugier ein sehr guter Ansatz ist – gepaart mit einem kritischen Geist. Bill Gates hat einmal zu Künstlicher Intelligenz gesagt, dass sie das Potenzial habe, die Welt auf eine Weise zu verändern, die wir uns heute nicht einmal vorstellen können. Gates glaubt, dass sie die Kraft besitzt, Produkte und Dienstleistungen zu erschaffen, die unser Leben einfacher, produktiver und kreativer machen. Außerdem könne sie dazu beitragen, einige der größten Herausforderungen der Menschheit zu lösen - wie Klimawandel, Krankheit und Armut. Soweit die positive Sicht auf KI.
Und was sagen kritischere Stimmen?
Der amerikanische Journalist Ed Zitron hat KI als ein "Produkt für schlaue Schwachköpfe" bezeichnet. Es werde an Leute verkauft, die sich nicht für Wissen interessieren und sei gleichzeitig ein Produkt, das von Leuten verkauft werde, die klug klingen wollen ohne klug zu sein. Man sieht also: Große Unterschiede in der Bewertung von KI sind nach wie vor sehr präsent. Und ich denke auch, dass es aktuell niemanden gibt, der einem wirklich sagen kann, wie sich die Welt durch KI verändern wird. Dass sie sich durch diese Technologie verändern wird, steht allerdings außer Frage.
Für welche Bereiche könnte dies ganz besonders gelten?
Das Interessante an generativer KI ist, dass sie kein Werkzeug für eine spezielle Sache ist. Sie kann im Grunde alles und nichts. Man ist manchmal sehr begeistert von den Ergebnissen und manchmal sehr enttäuscht. Aber grundsätzlich gibt es immens viele Situationen, in denen KI eingesetzt werden kann.
Auch im Ausbildungs- und Prüfungsalltag?
Absolut. Eines meiner liebsten Anwendungsbeispiele im Ausbildungskontext ist die Erstellung von Rollenspielen durch KI. Hier kann man etwa schwierige Kundengespräche simulieren – eine wertvolle Übung für Auszubildende. Die Erstellung von Prüfungsaufgaben ist durch KI ebenfalls möglich. Diese kann man bis zu einem gewissen Grad auch korrigieren lassen. Wobei man am Ende immer darauf achten muss, dass am Schluss der Mensch derjenige ist, der zu einem abschließenden Urteil kommt.