Im Idealfall bringen Jugendliche tragfähige sprachlich-kommunikative Grundkompetenzen mit in die Ausbildung – schließlich folgt berufliche Kommunikation eigenen Regeln, die schnell zur Herausforderung werden können: verdichtete Arbeitsanweisungen, Fachbegriffe, implizite Erwartungen an Selbstorganisation und Dokumentation oder die spezifische Sprache digitaler Anwendungen. Wer diesen Anforderungen nicht gewachsen ist, gerät schnell ins Hintertreffen – selbst bei hoher Motivation und praktischem Geschick.
Vor diesem Hintergrund ist auch der Lernort Betrieb ein entscheidender Schauplatz der Sprachbildung und Sprachförderung. Hier sollte Sprache als integraler Bestandteil beruflicher Handlungskompetenz verstanden und systematisch gefördert werden – ehe sprachliche Defizite unsichtbar bleiben und den Ausbildungs- und Prüfungserfolg beeinträchtigen.
Ohne sprachlich-kommunikative Grundkompetenzen fehlt Auszubildenden eine wichtige Voraussetzung, um Ausbildungsinhalte nachhaltig verstehen und berufssprachliche Kompetenz aufbauen zu können. Sie ist deshalb als elementare Voraussetzung für den Erwerb und die Ausübung beruflicher Handlungskompetenz zu sehen.
Berufssprachliche Kompetenz setzt sich aus Elementen mehrerer sprachlicher Ebenen zusammen:
- Alltagssprache wird in alltäglichen Kommunikationssituationen gebraucht und besteht häufig aus einfachen Wörtern sowie unvollständigen, kurzen Sätzen.
- Bildungssprache zeichnet sich z.B. durch komplexe Satzstrukturen, Nominalisierungen und unpersönliche Ausdrücke aus, mit denen möglichst präzise inhaltlich anspruchsvolle Informationen oder Positionen ausgedrückt werden.
- Fachsprache geht, ähnlich wie Bildungssprache, über den alltäglichen Sprachgebrauch hinaus. Im Unterschied zur Bildungssprache ist sie jedoch an einen spezifischen Fachbereich gebunden und dient der präzisen, eindeutigen Kommunikation unter Fachleuten. Charakteristisch ist der Einsatz klar definierter Fachbegriffe.
Im Rahmen der Fachsprache ist es wichtig, auch die situations- und berufsbezogenen Kommunikationsformen im Arbeitsalltag zu berücksichtigen. Dazu zählen beispielsweise die Werkstattsprache und die Betriebssprache, die sich deutlich von der reinen Fachsprache unterscheiden. Sie stellen eine Mischung aus Alltags- und Fachsprache dar und sind für die praktische Durchführung von Arbeitsprozessen von großer Bedeutung. In diesen Kommunikationsformen werden selbst etablierte Fachbegriffe häufig in abgewandelter Form verwendet oder teilweise ganz ersetzt. Daher ist es für Auszubildende notwendig, je nach Kontext einen angemessenen und situationsgerechten Sprachgebrauch zu erlernen. So wird der technische Fachbegriff "Drehstromgenerator" in der Werkstattsprache üblicherweise als "Lichtmaschine" oder verkürzt als "Lima" bezeichnet. Ebenso wird der Fachbegriff "Steckschlüsseleinsatz" sowohl in der Werkstattsprache als auch in der Alltagssprache häufig durch den Ausdruck "Nuss" ersetzt.
- Verteilersprache bezeichnet Kommunikation zwischen Fachleuten und Nicht-Fachleuten, etwa mit Kundinnen und Kunden. Ihr Ziel ist es, Informationen verständlich zu vermitteln, ohne sie zu stark zu vereinfachen. Kennzeichnend sind ein reduzierter Einsatz von Fachbegriffen, zusätzliche Erklärungen und anschauliche Beispiele.