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"Beim Gedanken an Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung sollen unsere Hubs als erstes in den Sinn kommen."

Interview mit dem Projekt BBNE-Hubs

28. Oktober 2025

Der menschengemachte Klimawandel und nachhaltige Entwicklung gewinnen auch in der beruflichen Bildung zunehmend an Bedeutung. Das Projekt BBNE-Hubs setzt genau hier an: Es bündelt Angebote zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE) in der beruflichen Aus- und Weiterbildung und qualifiziert gezielt Trainerinnen und Trainer, um nachhaltige Inhalte praxisnah zu vermitteln. Im Interview mit Leando sprechen die Projektverantwortlichen über Ziele, Ansätze und Perspektiven von BBNE-Hubs.
"Beim Gedanken an Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung sollen unsere Hubs als erstes in den Sinn kommen."

Das Projekt BBNE-Hubs ("Regionale Netzwerke zur nachhaltigkeitsorientierten Qualifizierung des beruflichen Aus- und Weiterbildungspersonals") wird im Rahmen des Programms "Nachhaltig im Beruf – zukunftsorientiert ausbilden (NIB)" des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördert. Zu den Projektpartnern gehören die Universität Erfurt, die Universität Paderborn, die IHK-Akademie Ostwestfalen GmbH und der Verein "Zukunftsfähiges Thüringen". Leando hat sich mit Claudia Müller, Jens Reißland (beide Universität Erfurt) und Simone Heuwinkel (IHK-Akademie Ostwestfalen GmbH) über das Vorhaben unterhalten.

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Leando: Was ist das Ziel des Projekts BBNE-Hubs? 

Müller: Wir wollen regionale Knotenpunkte – sogenannte Hubs – schaffen, an denen BBNE-Angebote gebündelt werden. Im Unterschied zu allgemeinen BNE-Angeboten gibt es bislang nur wenige Angebote speziell für BBNE. Hier wollten wir ein eigenes Angebot im Format eines IHK-Zertifikatslehrganges schaffen. 

Die Basis für dieses Angebot bilden die Vorgängerprojekte TraNaxis und KoProNa. Hier hatten wir bereits die Qualifizierung von Ausbildungspersonal im Fokus und dabei festgestellt, dass es einen großen Mangel an Weiterbildnerinnen und Weiterbildnern gibt. Dabei gibt es auch noch viele offene Fragen: Wer sind eigentlich die Weiterbildnerinnen und Weiterbildner am Markt? Wo haben sie ihre Expertise? Und wie bilden sie sich eigentlich weiter?

Also ist das Ziel von BBNE-Hubs, genau diese Weiterbildnerinnen und Weiterbildner zu stärken? 

Reißland: Genau. Unser Fokus liegt auf diesen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die sowohl Nachhaltigkeit als auch berufliche Bildung gut verstehen. Die Hubs richten sich in ihren Regionen – dazu gehören bislang Schleswig-Holstein, Thüringen und Nordrhein-Westfalen – an diejenigen, die Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung voranbringen wollen. 

Ausbilderinnen und Ausbilder selbst sind bei unseren Seminaren immer willkommen, gleichwohl sie eigentlich erst später – bei den Lehrgängen, die von den Weiterbildnerinnen und Weiterbildnern angeboten werden – dabei sein sollten.

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Sie sprechen in Ihrem Projekt von einem "doppelten Multiplikatorenansatz". Was genau verbirgt sich dahinter? 

Reißland: Das Konzept stammt vom sogenannten "pädagogischen Doppeldecker". Die Idee ist, dass man Dinge, die man selbst erlebt und gemacht hat, viel besser vermitteln kann. Es gibt zwar viele Materialien zum Thema Nachhaltigkeit, aber pädagogische Materialien sind oft erklärungsbedürftig und müssen eingeübt werden. Deshalb qualifizieren wir unsere Trainerinnen und Trainer sehr intensiv und begleiten sie auch bei der ersten Umsetzung in den Betrieben. 

Müller: Mit dem doppelten Multiplikatorenansatz stellen wir auch sicher, dass unsere Trainerinnen und Trainer BBNE passend in die betriebliche Ausbildungspraxis übersetzen können – das ist zugleich eine Form der Qualitätssicherung.

Werden regionale Unterschiede in den Hubs berücksichtigt? 

Reißland: Absolut. Es gibt zwar einen gemeinsamen Standard, doch die Umsetzung unterscheidet sich regional – vor allem wegen der jeweiligen Kultur und Vernetzung. Deshalb ist es uns wichtig, Trainerinnen und Trainer aus den Regionen einzubinden. Die kennen sich aus, haben den "richtigen Schnack" und sind authentisch.

"Unsere Materialien sind so gestaltet, dass sie 
an der Lebenswelt der Teilnehmenden andocken"

Claudia Müller

Wer sind denn die typischen Trainerinnen und Trainer, die an Ihrem Programm teilnehmen? 

Müller: Das Spektrum ist breit: freie Trainerinnen und Trainer, Personalverantwortliche aus Unternehmen oder Lehrende an Berufskollegs. Diese Vielseitigkeit zeigt auch, dass es "den oder die Weiterbildnerin" nicht gibt. Daneben fällt auf, dass Weiterbildnerinnen und Weiterbildner häufig entweder stark bei Themen der Nachhaltigkeit sind oder auf dem Gebiet der beruflichen Bildung. Die Kombination aus beidem ist eher selten. Hier anzusetzen ist uns sehr wichtig, denn Nachhaltigkeitsthemen sind oft sehr abstrakt und kommen ohne Bezug zur Lebensrealität nicht richtig an. 

Welche Vorteile ergeben sich für Trainerinnen und Trainer, wenn sie sich in den BBNE-Hubs qualifizieren lassen – und wie profitieren sie persönlich davon? 

Heuwinkel: Zum einen werden sie offiziell als qualifizierte Trainerinnen und Trainer in unseren Hubs gelistet. Das steigert ihre Sichtbarkeit und eröffnet neue Netzwerk- und Vermittlungsmöglichkeiten – sie können sich so am Weiterbildungsmarkt besser positionieren. Zum anderen begleiten wir die Trainerinnen und Trainer intensiv bei der Umsetzung, sodass sie nicht nur theoretisches Wissen mitnehmen, sondern auch sicher und kompetent in der Praxis agieren können.

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Nachhaltig im Beruf – zukunftsorientiert ausbilden

Nachhaltig im Beruf stärkt die Umsetzung, Verbreitung und Verankerung einer Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE). Das Programm des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) unterstützt die Anwendung der Standardberufsbildposition "Umweltschutz und Nachhaltigkeit" in der Ausbildungspraxis, so dass die Fachkräfte von morgen bereits heute lernen, ökologisch, sozial und ökonomisch verantwortlich zu handeln. Das NIB-Programm ist kofinanziert über den Europäischen Sozialfonds Plus. Mit der fachlichen Begleitung ist das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) beauftragt, mit der administrativen Begleitung die Knappschaft-Bahn-See (KBS). 

www.nachhaltig-im-beruf.de

Welche Materialien bekommen die Teilnehmenden zur Verfügung gestellt? 

Reißland: Alle Seminarunterlagen stellen wir über eine Cloud bereit, und zwar unter einer Creative Commons-Lizenz. Wir sagen immer: "Wir wollen die Materialien loswerden – nehmt sie mit!" Damit sind sie auch nach dem Seminar frei nutzbar. Man muss das so niedrigschwellig wie möglich halten. 

Müller: Unsere Materialien sind so gestaltet, dass sie an der Lebenswelt der Teilnehmenden andocken. Wir machen die Themen klein und haben immer einen methodisch-didaktischen Teil dabei. Hier geht es unter anderem darum, die Ausbilderinnen und Ausbilder ausführlich für ihre Rolle als Beziehungsgestalter im Betrieb zu sensibilisieren. Die Trainerinnen und Trainer müssen ihnen klar machen: Sie müssen die Beziehung zu den Auszubildenden gestalten. Das mag sich zunächst nach einem weichen Thema anhören, das Bewusstsein hierfür muss aber oftmals geschärft werden! 

Was lernen Ausbilderinnen und Ausbilder durch die Lehrgänge noch? 

Reißland: Vor allem Analyse- und Reflexionsfähigkeiten. Sie lernen, ihre eigene betriebliche Situation zu bewerten, daraus passende Nachhaltigkeitsprojekte abzuleiten und umzusetzen. Wir zeigen, wie sie Nachhaltigkeit in die Ausbildung integrieren können – zum Beispiel durch kleine Projekte, die ökonomische, ökologische und soziale Aspekte abdecken. 

Wie sehen Sie den perfekten Teilnehmer bzw. die perfekte Teilnehmerin für Ihre Lehrgänge? 

Heuwinkel: Ideal ist ein Ausbilder oder eine Ausbilderin, die Nachhaltigkeit in der Ausbildung in allen Dimensionen voranbringen möchte. Im Allgemeinen verbinden wir mit Nachhaltigkeit eher Optimierung von Produktionsprozessen, aber hier geht es um die soziale, ökonomische und ökologische Dimension. Wir sind überzeugt, dass die Zukunft den Menschen gehört, die wir heute ausbilden. Wenn wir ihnen jetzt die nötigen Kompetenzen mitgeben, wirkt sich das langfristig positiv auf die Behebung des Fachkräftemangels aus. Über Nachhaltigkeitsprojekte lernen Auszubildende demokratische Prozesse kennen und können so aktiv Entscheidungen im Unternehmen mitgestalten. 

Was sind Ihre langfristigen Ziele mit BBNE-Hubs? 

Heuwinkel: Unser großes Ziel ist, auf verschiedenen Ebenen – bei Trainerinnen und Trainern, Ausbilderinnen und Ausbildern und weiteren Akteurinnen und Akteuren – eine starke Botschaft für BBNE zu senden, so die berufliche Bildung nachhaltig zu prägen und insgesamt zu einer besseren Zukunft beizutragen. 

Reißland: Beim Gedanken an Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung sollen unsere Hubs als erstes in den Sinn kommen. Das ist unsere Vision. Langfristig soll es natürlich BBNE-Hubs in ganz Deutschland geben. Zunächst wollen wir aber die Hubs in den Regionen Schleswig-Holstein, Thüringen und Nordrhein-Westfalen fest etablieren. 

Wie können interessierte Ausbilderinnen und Ausbilder konkret teilnehmen? 

Heuwinkel: Wir laden alle ein, unseren Weg mitzugehen. Wer sich für Nachhaltigkeit interessiert, kann an unseren Lehrgängen teilnehmen, die von unseren ausgebildeten Trainerinnen und Trainern durchgeführt werden – zum Beispiel bei der IHK-Akademie Ostwestfalen. Die Anmeldung läuft unkompliziert über die jeweiligen regionalen Hubs und Kammern.

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