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Prüfen mit KI – Wie Künstliche Intelligenz die Prüfungswelt verändert

Künstliche Intelligenz (KI) kann Prüfende bei der Erstellung und Bewertung von Prüfungsaufgaben unterstützen, indem sie den Prozess vereinfacht und die Qualität der Prüfungen steigert. Doch wie genau kann KI in diesem Bereich eingesetzt werden? Die Projekte TOP.KI und KI-Exam zeigen innovative Möglichkeiten auf, wie digitale Assistenzsysteme dabei helfen könnten, Prüfungsprozesse zu verbessern. 

Leando Live 2025
KI-Workshop "Prüfungen" auf dem Leando-Jahresevent

Vorgestellt wurden die Prototypen der Projekte auf dem Leando Live Jahresevent 2025. Rund 60 Teilnehmende aus der beruflichen Ausbildungs- und Prüfungspraxis erhielten im Rahmen eines Workshops einen praxisnahen Einblick in die Tools "TOP.Assist" sowie "KI-Exam".

Digitale Assistenz für verständlichere Prüfungsaufgaben

Die Erstellung von Prüfungsaufgaben ist bislang ein komplexer Prozess, der oft viel Zeit und Abstimmung erfordert. „Aktuell ist die Aufgabenerstellung häufig ein aufwändiger Ping-Pong-Prozess zwischen Sprachexperten und Prüfungsaufgabenerstellenden“, erklären Thomas Hagenhofer vom Zentral-Fachausschuss Berufsbildung Druck und Medien (ZFA) und Vanessa Frohn von der Bergischen Universität Wuppertal. Während Prüfende ihre fachliche Expertise einbringen, prüfen Linguisten die sprachliche Verständlichkeit – ein Hin und Her, das sich in der Praxis als mühsam erweist.

Genau hier setzt das Tool TOP.Assist des Projekts TOP.KI an. Es soll dabei helfen, Prüfungsaufgaben sprachlich zu optimieren, ohne dass der fachliche Gehalt verloren geht. Perspektivisch soll die Textoptimierung mit Hilfe des Tools in folgenden Modulschritten erfolgen: Das Tool soll berufsspezifische Fachsprache erkennen, Sprachbarrieren melden, Formulierungen in einfacher Sprache vorschlagen und alle Beteiligten für maximale Praxisnähe in den Prozess einbeziehen. 

„Warum kompliziert, wenn’s auch einfach geht?“, fragt Hagenhofer mit einem Augenzwinkern. Im Workshop konnten die Teilnehmenden den Prototypen testen, bewerten und direkt vergleichen, wie unterschiedlich eine Prüfungsaufgabe mit und ohne KI-Unterstützung optimiert werden kann. Schnell wird klar: Das Tool spart nicht nur Zeit, sondern bringt auch neue Qualität in den Prozess.

Ein Teilnehmer wirft die naheliegende Frage auf: „Könnte man dafür nicht einfach ChatGPT nutzen?“ Hagenhofer verweist daraufhin auf die Vorteile von TOP.Assist: einfache Bedienbarkeit, kontrollierbares Fachvokabular, Beachtung von Datenschutz sowie den Serverstandort Deutschland und die Möglichkeit, Aufgaben in einer Datenbank zu speichern. Die Beispielaufgaben der Datenbank können dabei problemlos in andere Large-Language-Modelle überführt werden.

Leando Live 2025
Das Tool TOP.Assist soll dabei helfen, Prüfungsaufgaben sprachlich zu optimieren, ohne dass der fachliche Gehalt verloren geht.

Natürlich bleibt auch Raum für kritische Stimmen. „Warum schult man nicht einfach die Aufgabenerstellenden direkt?“, möchte ein Teilnehmender wissen. Barbara Schürger aus dem Leando-Team entgegnet: „Es gibt Schulungen und Handbücher von zuständigen Stellen und Verbänden. Auch auf Leando bieten wir Informations- und Qualifizierungsangebote zur sprachsensiblen Gestaltung von Prüfungsaufgaben. TOP.Assist kann bei der Formulierung konkreter Aufgaben unterstützen und zusätzlich helfen, ein Bewusstsein für sprachliche Barrieren zu schaffen sowie Prüfende zu sensibilisieren.“

KI als Korrekturhilfe – Das Projekt KI-Exam

Im zweiten Teil des Workshops stand die Korrektur von Freitextaufgaben im Fokus. Mit KI-Exam wurde ein weiteres innovatives Tool vorgestellt, das Prüfende künftig bei der Bewertung unterstützen soll. Vorgestellt von Benedikt Severin (Universität Duisburg-Essen) und Katharina Hähn (mmb Institut) aus dem Projektteam, nutzt KI-Exam künstliche Intelligenz, um Antworten zu sortieren, zu clustern und mit Musterlösungen abzugleichen.

„Prüfende sind von Beginn an mit im Boot“, betonen die Projektverantwortlichen. Das Tool wurde gemeinsam mit Praktikerinnen und Praktikern entwickelt, um reale Prüfungsprozesse von Anfang an mitzudenken. Ziel ist, KI-Exam später in bestehende Prüfungsplattformen zu integrieren.

Im Workshop durften die Teilnehmenden das System selbst testen: Zunächst bewerteten sie Prüfungsantworten manuell, anschließend bearbeiteten sie dieselben Texte mit Hilfe der KI. Das Ergebnis: KI-Exam ordnet die Antworten, erleichtert Vergleiche und schafft eine solide Grundlage für Diskussionen über Bewertungsmaßstäbe.
 

Leando Live 2025
KI-Exam hilft bei der Bewertung von Freitextaufgaben. Es ordnet Antworten und erleichtert Vergleiche.

Ein Teilnehmer hebt hervor, dass die KI insbesondere die Kommunikation zwischen Prüfenden verbessern könnte. Eine gemeinsame Grundlage könne Missverständnisse vermeiden und Bewertungen transparenter machen. Eine andere Teilnehmerin ergänzt: „Das Tool würde mich auf jeden Fall entlasten – gleichzeitig verstehe ich die Sorge, dass KI irgendwann menschliche Bewertungen ersetzen könnte.“

Das Projektteam betont jedoch, dass die Verantwortung für die abschließende Bewertung weiterhin bei den Prüfenden liegt. Die KI dient lediglich als Unterstützung, indem sie eine strukturierte Grundlage für die Entscheidung liefert.

KI-Einsatz in Prüfungen? Zwischen Skepsis und Aufbruchstimmung

Im Austausch wird deutlich, dass KI-gestützte Systeme wie TOP.Assist und KI-Exam in der Prüfungswelt noch neu, aber längst nicht mehr Zukunft sind. Beide Projekte zeigen, wie KI sinnvoll eingesetzt werden kann: nicht als Ersatz, sondern als Unterstützung, die Qualität, Fairness und Effizienz in Prüfungsprozessen stärkt.

„Wir laden ausdrücklich dazu ein, die Tools auszuprobieren und Feedback zu geben“, betont Schürger zum Abschluss. „So können wir sicherstellen, dass die Bedarfe der Prüfenden im Mittelpunkt stehen.“

Über die Website von KI-Exam können sich Interessierte außerdem für den Newsletter des Projekts anmelden, um sich über weitere Entwicklungsschritte und Ergebnisse zu informieren: KI-Exam – Prüfungskorrekturen mit KI