Das Assistenzsystem KI-Exam soll zunächst bei der Vorstrukturierung der Antworten helfen: Es kann eingereichte Lösungen inhaltlich gruppieren und Ähnlichkeiten zur Musterlösung – sowie zu Lösungen in anderen Klausuren – aufzeigen. Durch die Visualisierung der Ergebnisse können Prüfenden diese leichter weiterverarbeiten. Das bedeutet für diese im Idealfall
- weniger Zeitaufwand für die Korrektur von Freitext-Aufgaben
- schnellere Orientierung durch Strukturierung der Antworten
- mehr Transparenz und Konsistenz bei der Bewertung durch Abgleich der Antworten untereinander
Dr. Lutz Goertz, mmb Institut GmbH, gehört zum Projektleitungsteam von KI-Exam und verdeutlicht die Funktionsweise des Systems am Beispiel einer etwas komplexeren Aufgabe: „Wenn ein komplettes Marketingkonzept für eine Landesgartenschau entwickelt werden soll, wären mögliche Fragen etwa: Wie würden Sie die Startphase im Vorfeld bewerben? Welche Werbemittel würden Sie einsetzen? Welche Zielgruppen sind Ihnen wichtig?“ Bei der Auswertung würde KI-Exam helfen, indem es bestimmte Muster in den Lösungen erkennt, erklärt Goertz: „Welche Formulierungen sind ähnlich, wie viele korrekte Lösungsbestandteile wurden genannt und wie stark weichen sie von der Musterlösung ab? Es werden Schlüsselbegriffe hervorgehoben, so dass der Korrektor sieht, wo wichtige Inhalte genannt wurden, und dazu Punkte vergeben kann.“ Ebenso könne er sehen, wenn zwei Prüflinge eine strukturell vergleichbare Lösung formulieren – in unserem Beispiel etwa als Werbemaßnahme eine Pressekonferenz durchführen würden.
„Früher musste ich mich durch einen ganzen Stapel mit 48 Klausuren wühlen, nur um eine ähnliche Antwort wiederzufinden“, blickt Goertz auf seine Prüfertätigkeit zurück. Zukünftig könnten Korrektoren im System durch die Antworten springen und gezielt solche Fälle herausfinden.